Sendedatum: 20.04.2017 19:45 Uhr

Nur 14 Prozent der Deutsch-Türken sagten "Ja!"

von Katrin Brand, ARD Hauptstadtstudio Berlin

Die Politiker sind enttäuscht, die schwarzen genauso wie die grünen. Da leben die Deutsch-Türken im besten Deutschland, das es je gab, und verurteilen doch aus der Ferne mehrheitlich ihre Landsleute dazu, in einer Diktatur zu leben.

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Die Zustimmung für das Referendum in Deutschland hat für viel Wirbel gesorgt.

Das ist Unsinn. Schauen wir auf die Fakten. In Deutschland leben rund drei Millionen türkischstämmige Menschen. Die Hälfte von ihnen war wahlberechtigt. Von dieser Hälfte ist weniger als die Hälfte tatsächlich wählen gegangen. Und von diesen Wählern wiederum hat eine deutliche Mehrheit mit Ja gestimmt. Das heißt: Von allen türkischstämmigen Menschen in Deutschland haben etwa 14 Prozent Erdogans Referendum unterstützt. 14!

Kein Beweis für Demokratiefeindlichkeit

Katrin Brand, Korrespondentin im ARD Hauptstadtstudio Berlin

Ein Beweis für Demokratiefeindlichkeit oder Abwendung von Deutschland ist das nicht. Dennoch: Gut 55 Jahre nach dem ersten Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei ist lange nicht alles in Ordnung. 55 Jahre danach sind neue Nachrichtensprecher mit türkischen Wurzeln immer noch selber  eine Nachricht wert, wird eine türkischstämmige Integrationsbeauftragte immer noch gefragt, woher sie denn stamme. Richtige Antwort: aus Hamburg. Und wer einen türkischen Namen trägt, wird seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Demonstrativ enttäuscht von den Deutsch-Türken zu sein, das sollten sich die Deutschen jetzt also sparen. Sie sollten sich aber sehr wohl ehrlich fragen, ob sie einem Cem oder einer Aydan tatsächlich so ganz ohne Vorurteile begegnen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | NDR 2 Spezial - Das Thema | 20.04.2017 | 19:45 Uhr

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