Stand: 08.04.2015 18:00 Uhr

BND: IS verliert bedeutende Einkommensquelle

von Georg Mascolo
Bild vergrößern
Nach dem Verlust von drei großen Ölfeldern im Irak bleibt dem IS nur noch eins mit einer Förderkapaziät von 2.000 Barrel am Tag.

Der "Islamische Staat" (IS) hat nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) eine seiner wichtigsten Einkommensquellen verloren. Nach den jüngsten militärischen Niederlagen kontrolliere die Terror-Organisation praktisch keinerlei Ölfelder mehr im Irak, heißt es nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ("SZ") in einem "Sonderbericht" für die Bundesregierung. Der IS könne nun kaum noch Öl verkaufen, sondern habe sogar Mühe, die "Eigenversorgung" im Kalifat aufrecht zu erhalten. Die Terroristen sitzen auf dem Trockenen.

Mindestens drei große Ölfelder verloren

Hintergrund dieser dramatischen Lageveränderung sind militärische Vorstöße der kurdischen Peshmerga im Norden und der irakischen Streitkräfte im Raum Tikrit. Mindestens drei große Ölfelder soll der IS dadurch verloren haben. Zwei von ihnen, die nordöstlich von Tikrit gelegenen Felder Himrin und Ajil, sollen die Terroristen zuvor in Brand gesetzt haben. Fördereinrichtungen wurden gesprengt, Satellitenbilder sollen im vergangenen Monat zahlreiche Brände gezeigt haben. Nach Einschätzung des BND beweise dies, dass der IS selbst nicht an eine schnelle Rückeroberung glaube.

BND: Kaum noch "nennenswerte Ölexporte"

Bild vergrößern
Der BND kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass eine der "wichtigsten Einnahmequellen" des IS "drastisch unter Druck" ist.

Nach den Feststellungen des Geheimdienstes bleibt dem IS damit im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2.000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge. Auch die syrischen Ölfelder könnten den Verlust nicht ersetzen. Es soll sich größtenteils um alte und durch den langen Bürgerkrieg schlecht gewartete Anlagen mit einer maximalen Förderkapazität von 15.000 Barrel am Tag handeln. Zudem fehlen dem IS Experten, um die Förderstätten zu betreiben. Der BND kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass der IS kaum noch "nennenswerte Ölexporte realisieren" könne, eine "seiner wichtigsten Einnahmequellen" sei "drastisch unter Druck."

Berichte über anhaltende Versorgungsschwierigkeiten

Der IS gilt als die reichste Terrorbande aller Zeiten, die sich durch erhobene Steuern, Erpressung, Kunstraub, Entführungen und Ölschmuggel weitgehend selbst finanziert. Das Auswärtige Amt beziffert den "Kapitalstock" in einer Antwort auf eine Bundestagsanfrage Der Linken auf "ein- bis zwei Milliarden Dollar."  Welchen Anteil am Reichtum des IS die Erlöse aus dem Ölverkauf haben, war bereits in der Vergangenheit umstritten. Während das amerikanische United States Central Command (Centcom) teilweise von einer Milliarde Dollar im Jahr sprach, andere Experten gar von zwei bis drei Milliarden Dollar, wurden auch sehr viel niedrigere Zahlen genannt.

Der Wegfall der Öleinnahmen dürfte jedenfalls die Lage der zumindest im Irak ohnehin unter Druck geratenen Organisation weiter verschärfen. Seit Wochen häufen sich Berichte über anhaltende Versorgungsschwierigkeiten in den vom IS kontrollierten Gebieten, auch bei Strom und Wasser soll es zu Engpässen kommen. Die Steuern sollen erhöht worden sein, auch von einer angeblich abnehmenden Kampfmoral wird immer wieder berichtet.

Weitere Informationen
Link

Erfolg im Kampf gegen "Islamischen Staat"

Die irakische Armee und verbündete schiitische Milizen haben nach Angaben der Regierung in Bagdad einen Sieg über die Terrorgruppe "Islamischer Staat" erzielt und die Stadt Tikrit zurückerobert. extern

Link

Handelt der IS mit Organen von Opfern?

Der "Islamische Staat" steht im Verdacht, seinen Kampf mit Organ-Handel zu finanzieren. Laut dem irakischen UN-Botschafter wurden Leichen mit operativen Einschnitten und fehlenden Nieren gefunden. extern

Link

"Islamischer Staat": Bürokratie des Terrors

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" hat bereits weitgehende staatliche Strukturen errichtet. Das belegen interne Dokumente, die NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" auswerten konnten. extern