Stand: 19.05.2017 20:06 Uhr

Wieder schlechte Noten für Hamburgs Radwege

"Hamburg bleibt im Fahrradkeller": So lautet das Fazit des Fahrradclubs ADFC nach einer Auswertung einer bundesweiten Umfrage unter Radfahrern. Mit einer Gesamtnote von 4,2 landete die Hansestadt unter 39 Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern lediglich auf Platz 31, wie Vorstand Dirk Lau am Freitag in Hamburg sagte.

Von Platz 35 auf 31

Das sei zwar etwa besser als 2014, als die Hansestadt nicht über Platz 35 hinauskam. Doch sei dies vor allem dem mit 1,8 gut bewerteten Fahrradleihsystem "Stadtrad" zu verdanken. Nehme man nur die für Radfahrer besonders wichtigen Aspekte wie Sicherheit und Komfort in den Blick, landete Hamburg trotz des rot-grünen Ziels, die Hansestadt zur "Fahrradstadt" zu machen, nur auf Platz 34. Viele Radfahrer störten sich an zugeparkten Wegen sowie zu schmalen Trassen. Die schlechteste Note mit 5,3 vergaben die Hamburger Radfahrer bei den Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen, gefolgt von Hindernissen auf Radwegen sowie der Reinigung und dem Winterdienst. Kaum besser sehe es aus bei der Radwegbreite und den Ampelschaltungen.

"Der Politik fehlt der Mut"

Die Anstrengungen des Senats seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, sagte ADFC-Verkehrsexpertin Stefanie Miczka. Die Umsetzung sei jedoch ungenügend. "Der Politik fehlt der Mut, tatsächlich den Straßenraum auch einmal neu aufzuteilen und gegebenenfalls dem Autoverkehr auch einmal eine Fahrspur wegzunehmen." Und auch finanziell unternehme die Stadt viel zu wenig. Während Kopenhagen pro Einwohner und Jahr 30 Euro in den Radverkehr stecke, seien es in Hamburg nur 5 Euro. Der Grünen-Verkehrsexperte Martin Bill räumte ein: "Vor uns liegt noch viel Arbeit."

Bei dem inzwischen siebten ADFC-Test wurden im Herbst 2016 rund 120.000 Radfahrer in 539 Städten befragt. Unter den deutschen Großstädten schnitten Münster, Karlsruhe und Freiburg im Breisgau am besten ab. Die mit Hamburg vergleichbaren Stadtstaaten Bremen und Berlin kamen auf die Plätze 4 und 36. In Schleswig-Holstein schafften es Kiel und Lübeck auf die Plätze 6 und 20, in Mecklenburg-Vorpommern kam Rostock auf Platz 8.

Neue Radwege an 50 Stellen

Zu einem anderen Schluss als die ADFC-Umfrage kam dagegen die Verkehrsbehörde in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Zwischenbilanz des "Bündnisses für den Radverkehr". Demnach sind zuletzt an 50 Stellen in der Stadt - zumindest abschnittsweie - neue Radwege entstanden, etwa an Alsterufer, Hudtwalkerstraße und Steilshooper Allee. Die Inventurliste, die die Behörde vorlegt, soll klar machen: Es geht voran.

Velorouten nehmen Gestalt an

In den kommenden drei Jahren sollen die 14 stadtweiten Velorouten fertiggestellt werden. Die zusammenhängenden Strecken sollen Radfahrer von den Außenbezirken sicher ins Zentrum bringen. Außerdem geplant sind breite Radwege aus dem Umland in die City, ohne lästige Ampeln und Kreuzungen. Sechs Strecken werden jetzt geprüft, wie NDR 90,3 berichtete.

Die 14 Velorouten:

Desweiteren können sich Radfahrer über bessere Abstellmöglichkeiten an U-und S-Bahnstationen freuen. Und die Stadtreinigung fegt künftig auch für sie Laub und Schnee von den Wegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.05.2017 | 14:00 Uhr

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