Stand: 18.08.2017 06:03 Uhr

Von der Leyen will neuen Umgang mit Traditionen

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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Besuch der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Die Bundeswehr stellt den Umgang mit ihren Traditionen auf den Prüfstand. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erwartet eine sorgfältige Aufarbeitung. "Dies ist ein Prozess, der nicht in wenigen Wochen abgeschlossen ist. Das Thema verträgt keine Eile", sagte die Ministerin am Donnerstag in der Hamburger Führungsakademie der Bundeswehr.

In die Ausbildungsstätte waren mehr als 300 Teilnehmer aus den Streitkräften sowie Historiker, Sozialwissenschaftler und Interessenvertreter eingeladen, um in einem ersten Workshop über den 1982 ergangenen Traditionserlass zu diskutieren. "Unser Anspruch ist hoch", erklärte von der Leyen. Schließlich sollen die überarbeiteten Richtlinien den rund 170.000 Soldaten "Orientierung und Halt" geben für ihren Dienstalltag und ihre Einsätze.

"Wehrmacht kann nicht traditionsstiftend für Bundeswehr sein"

Eine Affäre um rechtsextreme Umtriebe in der Truppe hatte im Frühjahr eine Diskussion um deren Umgang mit ihren Traditionen und besonders der Wehrmacht entfacht. "Es kann kein Relativieren gehen, was den Kulturbruch des Nazi-Regimes und das unermessliche Leid anbelangt, das es mit dem Zweiten Weltkrieg und der Shoa in Europa und weit darüber hinaus gebracht hat", sagte von der Leyen. "Die Wehrmacht als Institution kann nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein."

Nationalsozialistische Symbole wie das Hakenkreuz sind nach dem Erlass von 1982 in der Bundeswehr verboten - außer etwa sie dienen der politischen Bildung. Als bedeutende Symbole werden die schwarz-rot-goldene Flagge aufgeführt, die Nationalhymne, der Adler des Bundeswappens oder das Eiserne Kreuz. Das Sammeln von Waffen, Modellen, Urkunden, Fahnen, Bildern, Orden und Ausrüstungsgegenständen ist den Soldaten laut Erlass erlaubt. Allerdings müssen Exponate in einen geschichtlichen Zusammenhang eingeordnet werden.

"Bewahrtes und Bewährtes" soll hinterfragt werden

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Um Militärtradition lebendig und anschlussfähig an das Geschichtsverständnis der heutigen Gesellschaft zu halten, muss nach Auffassung der Ministerin "Bewährtes und Bewahrtes" immer wieder hinterfragt werden. Dies erfordere eingehende historische Kenntnisse, historisches Bewusstsein, Umsicht, Differenzierung und keine schnellen Urteile. Nur wenn die Gesellschaft verstehe, wie die Bundeswehr denke, fühle und ihre Vorbilder setze, könne sie von dieser auch gewürdigt werden, sagte von der Leyen.

Der Traditionserlass von 1982 enthalte viel Gutes, sei aber ein Produkt seiner Zeit, ergänzte die Historikerin Loretana de Libero von der Führungsakademie. Die Bundeswehr müsse sich im Klaren sein, was für sie traditionswürdig ist. Die alten Richtlinien müssten schärfer gefasst und an die heutigen Verhältnisse angepasst werden, forderte sie. Nach dem Treffen in Hamburg sollen bis Ende des Jahres weitere Workshops in Koblenz, Potsdam und Berlin veranstaltet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.08.2017 | 12:00 Uhr

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