Stand: 24.08.2017 08:03 Uhr

Vom Straßenkind in Kenia zum Lehrer in Hamburg

von Lara Straatmann

Wenn Philip Spenner über den Schulhof in Nairobi geht, folgt ihm eine Schülertraube. Die Schüler verehren ihn fast, er ist Lehrer, aber für viele Schüler auch Freund, Vater und Identifikationsfigur. Geboren ist Spenner 1979 in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Mit einem Jahr wird er Vollwaise, mit neun Jahren setzt ihn seine Tante mitten in der Drei-Millionen-Großstadt Nairobi aus. Von da an kämpfte er jeden Tag ums Überleben. Spenner sagt, er habe "die Hölle von Nairobi" überlebt. Er kam mit 14 Jahren in ein Waisenhaus. Mit 19 Jahren adoptierte ihn ein Hamburger Paar. Seit fünf Jahren steht Spenner nun in Hamburg-Langenhorn am Lehrerpult, ist Klassen- und Vertrauenslehrer. Einmal im Jahr fliegt er nach Kenia. Das Hamburg Journal hat den Lehrer auf eine Reise in seine alte Heimat begleitet.

Kanduyi Children hilft Kindern

Vor zehn Jahren gründete er den Verein Kanduyi Children, um Kindern aus sehr armen Familien den Schulbesuch zu finanzieren. Die Schulgebühren sind in Kenia oft unbezahlbar für die Eltern. Einige der Jugendlichen, die Spenners Verein unterstützte, studieren nun Medizin und Jura. "Ich habe eine Chance bekommen und möchte, dass auch andere die Chance bekommen, alle ihre Talente zu nutzen", sagt er.

Kreuz Skulptur aus Metall

Buchtipp: "Move on up"

Der Kenianer Philip’ Spenner war dem Tod früher oft sehr nah. Heute arbeitet er als Lehrer in Hamburg. Wie er das geschafft hat, beschreibt er in seinem Buch. (11.05.2013)

70.000 Straßenkinder allein in Nairobi

Rund 70.000 Straßenkinder leben allein in Nairobi. 200 Kinder aus Bugoma, dem Ort, in dem Spenner im Waisenhaus war, können mit Hilfe von Spenners Verein zur Schule gehen. Für ihn selbst war der Schulbesuch lange nur ein Traum. "Für mich war die Schule immer ein heiliger Ort, wie der Himmel, ein Ort des Selbstbewusstseins, eine Schatzkammer voller Dinge, die es zu entdecken galt", sagt er.

Mit 14 Jahren kam Spenner in das Waisenhaus nach Bugoma und er hat den Kontakt gehalten. Noch immer ist das Waisenhaus überfüllt. "Es sind noch mehr Kinder hier, viel zu viele, so viele Betten gibt es gar nicht, was zeigt, dass sich die Situation kein bisschen verbessert hat," sagt er bei seinem Besuch dort. Er wurde damals hier von den Hausmüttern verprügelt und sie ließen ihn hungern. Statt ihm den Schulbesuch zu ermöglichen, musste er arbeiten. "Manchmal wundere ich mich, wie ich das überlebt habe, die psychischen Qualen, die Misshandlungen, die Schläge", sagt er. "Ich glaube, dass es mit einer ganz starken inneren Willenskraft zu tun hatte, aber auch mit verdammt nochmal ganz viel Glück."

Ein Schimmer Hoffnung

Für die 90 Kinder im Waisenhaus ist Spenners Geschichte ein Hoffnungsschimmer. Genauso wie für Joel und seine Mitschüler in Spenners Klasse 9b in Langenhorn. "Von Mr. Spenner haben wir eins gelernt", sagt er. "Er hat uns beigebracht, dass wir richtig sind, so wie wir sind und dass wir nicht aufgeben sollen."

Langenhorner Lehrer besucht seine alte Heimat

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.08.2017 | 18:00 Uhr

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