Stand: 30.03.2016 11:42 Uhr

Volles Haus beim Winternotprogramm

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Schlafen im Container: Im Lauf des Winters hat die Sozialbehörde die Zahl der Winternotplätze von 880 auf 1040 gesteigert.

Der Bedarf an warmen Betten für Obdachlose in Hamburg während der kalten Zeit bleibt groß: Das Winternotprogramm ist auch in den vergangenen Monaten wieder stark genutzt worden, wie die Sozialbehörde am Mittwoch mitteilte. Demnach lag die Auslastung von November bis März bei durchschnittlich 88 Prozent.

Im Februar waren 93 Prozent der Betten belegt

Waren die rund 880 Plätze im November und Dezember noch zu 76 beziehungsweise 90 Prozent belegt gewesen, stiegen die Werte für die Anfang des Jahres auf 1.040 Betten aufgestockten Kapazitäten im Januar und Februar auf 92 und 93 Prozent, um im März wieder auf 90 Prozent zu sinken. Das seit 1992 angebotene Winternotprogramm soll Obdachlose vor dem Erfrieren schützen. Das anonym und kostenlos nutzbare Angebot endet an diesem Donnerstag.

"Während andere Städte ihren Erfrierungsschutz erst öffnen, wenn Frost droht, hat unser Winternotprogramm unabhängig vom Wetter durchgehend von November bis März geöffnet, 16 Stunden täglich", sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). Laut Sozialbehörde werden die Standorte in der Münzstraße und im Schaarsteinweg nun bis Ende September für Wohnungslose und Flüchtlinge genutzt - um dann wieder für das Winternotprogramm verwendet zu werden.

"Der Senat sollte sich nicht rühmen"

Kritik gab es von der Obdachlosen-Zeitschrift Hinz & Kunzt, weil das Programm Bedürftigen tagsüber keinen Schutz bietet. Auch von der Linken gab es Gegenwind für die Sozialbehörde: "Statt die Menschen einfach wieder auf die Straße zu schicken, muss die Sozialsenatorin endlich ihre Aufgabe ernst nehmen und den Menschen eine Perspektive bieten", sagte die Fraktionsvorsitzende Cansu Özdemir. Statt ausreichend Sozialwohnungen zu bauen, lobe sich der Senat für das größte Winternotprogramm Deutschlands. "Dafür, dass er jedes Jahr wieder so viele Menschen auf die Straße zurück schickt, sollte der Senat sich nicht rühmen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.03.2016 | 12:00 Uhr