Stand: 09.01.2016 08:48 Uhr

Übergriffe an Silvester: Ende der Willkommenskultur?

von Kristine Jansen
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Kristine Jansen kommentiert die Übergriffe in der Silvesternacht.

Die Ereignisse der Silvesternacht sind der Super-Gau für eine engagierte Flüchtlingspolitik. Vielleicht das Ende der Willkommenskultur. Für Frauen hat sich vor allem bestätigt, dass sie auch im 21. Jahrhundert Freiwild sind und dass Frust und Ohnmacht von Männern bevorzugt in sexualisierte Gewalt gegen Frauen umschlägt. Für Frauen ist das nicht neu. Aber Silvester führt es wegen der dramatischen Häufung und der offenbar ausländischen Täter zum Aufschrei. Unerträglich, dass ein sexistischer Mob Jagd auf Frauen macht. Und zwar in aller Öffentlichkeit, im Schutz der Masse auf dem Kiez. Fast unbehelligt von der Polizei. Ob in Köln oder Hamburg: unverständlich, dass es Tage brauchte, bis das Ausmaß der Übergriffe öffentlich wird. Mindestens in Köln hat die Polizeiführung bewusst die Tatsache verschleiert, dass Flüchtlinge unter den Tätern sind. In Hamburg wächst die Kritik.

Neue Fragen in der Flüchtlingsdebatte

Der Verdacht gegen arabisch aussehende junge Männer mutierte danach zum Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Aber so wenig wie alle Deutschen Nazis sind, sind natürlich alle Flüchtlinge Sexualstraftäter. Für Hamburg stellt die Silvesternacht die Flüchtlingsdebatte dennoch unter neue Vorzeichen. Vorrang hat die Sicherheit - vor allem von Frauen und zwar egal wo. Es ist ja schön, dass Innensenator Michael Neumann die Reeperbahn jetzt für "so sicher wie nie zuvor hält". Aber was ist mit der U-Bahn, dem Bahnhof, dem Alsterpark?

Hamburger Parteien haben unterschiedliche Konzepte

Integration haben wir bisher als ein Angebot verstanden, das selbstverständlich gern angenommen wird. Mittels Deutschkurs, Kita und Arbeit. In den Erstaufnahmen herrschen jedoch Langeweile und Nichtstun, meist wird nicht mal Betten beziehen oder Saubermachen verlangt. Die CDU will eine Unterschrift unter eine Integrationsvereinbarung, die wird der syrische Familienvater sicher guten Willens leisten. Potenzielle Straftäter werden sie kaum ernst nehmen. Straftäter, männliche, ausländische nimmt die Linke gar nicht erst in den Blick, sie fordert mehr Notrufsäulen für Frauen. Die AfD hat immer schon gewusst, dass Muslime kriminell sind, sie fordert den Rücktritt von Angela Merkel. SPD und Grüne versuchen mit einer neuen Abschiebehaft am Flughafen ein Signal für klare Kante.

Fragen sind unbequem - aber unausweichlich

Klare Kante braucht Rot-Grün aber auch im Umgang mit Flüchtlingen, die hier bleiben. Alle Gutwilligen ausgenommen. Aber wie kann jemand, für den Frauen Freiwild sind, Anspruch auf Mitgefühl und Schutz haben? Die Straftäter der Silvesternacht haben ein Tabu gebrochen - sie gefährden die Willkommenskultur. Klarer als zuvor stellt sich die Frage nach der Integrationsfähigkeit und -willigkeit muslimischer Männer. Wer gehofft hatte, um diese Frage drum rum zu kommen, muss sie sich jetzt stellen.

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Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht gibt es mehr als 150 Anzeigen. Am Wochenende war die Polizei rund um die Reeperbahn mit einem Großaufgebot unterwegs. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Thema der Woche | 09.01.2016 | 08:48 Uhr