Stand: 05.08.2017 20:51 Uhr

Tausende Menschen bei CSD-Parade in Hamburg

In einer großen Parade zum Christopher Street Day sind am Sonnabend nach Angaben der Veranstalter rund 20.000 Menschen, begleitet von mehr als 30 Trucks, durch die Hamburger Innenstadt gezogen. Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle demonstrierten und feierten. Bei den bunten Outfits war vom Bauarbeiter-Kostüm über jede Menge Tüll bis hin zu ausgefallenen Perücken alles dabei. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer nahm an der Parade teil, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), ebenso wie Drag-Queen Olivia Jones. Sie alle demonstrierten für Geschlechtervielfalt und die Gleichstellung sexueller Minderheiten in der Gesellschaft.

Mielchen: Diskriminierung nicht verschwunden

Stefan Mielchen, der Vorstand von Hamburg Pride, freute sich über die rege Teilnahme. Dass jetzt die "Ehe für alle" komme, sei jedoch nicht das Ende aller Probleme, sagte er. "Wenn wir jetzt heiraten dürfen, heißt das nicht, dass die Diskriminierung im Alltag, am Arbeitsplatz, oder an anderen Stellen in der Gesellschaft verschwunden wäre", so Mielchen. "Es ist toll, dass wir etwas zu feiern haben. Wir haben Jahrzehnte dafür gekämpft, aber es bleibt noch viel zu tun".

"Schwule werden immer noch verfolgt"

In Regenbogenfarben gegen Diskriminierung

"Schwul ist immer noch ein Schimpfwort auf den Schulhöfen", sagte Drag-Queen Olivia Jones NDR 90,3. Deswegen müsse demonstriert werden "Es gibt Politiker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das zu zerstören, was wir über die Jahrzehnte erreicht haben - siehe AfD oder auch einige von der CSU", sagte sie. Überall gebe es Rechtspopulisten, weltweit sei die Lage in einigen Ländern katastrophal. "Da werden Schwule immer noch verfolgt. Deswegen bin ich froh, dass ich in so einer freien, liberalen und bunten Stadt wie Hamburg wohne", sagte Jones.

Russische Gäste bei Rathausbeflaggung

Das Motto der Parade lautete in diesem Jahr: "Kommt mit uns! Diskriminierung ist keine Alternative“. Diesmal nahmen auch Unternehmen wie die Otto Group und die Haspa an der Parade teil. Homosexuelle Jugendliche aus Russland waren zu Gast. Nahezu barbusig zeigte sich eine Gruppe von Frauen aus St. Petersburg. Diese Freiheit hätten sie in ihrer Heimat nicht, bekannte eine Teilnehmerin. "Ein CSD in Russland - undenkbar", sagte Organisator Mielchen. Die Gäste aus Russland seien auch bei der Rathausbeflaggung auf dem Balkon mit dabei gewesen und hätten große Augen gemacht, weil sie so etwas in ihrer Heimat nicht erleben könnten, sagte Mielchen. Auch Flüchtlinge waren bei der Parade: "We have a voice - let's use it" (Wir haben eine Stimme - lasst sie uns nutzen) lautete ihr Banner.

Regenbogenflagge am US-Konsulat und der Elbphilharmonie

Mielchen hatte am Freitagabend am US-Generalkonsulat an der Alster die Regenbogenflagge gehisst. Wie US-Präsident Donald Trump die Aktion in Deutschland bewertet, wisse Mielchen nicht. Aber dass die Fahne wehe, sei ein tolles Zeichen. Bis zum Sonntag leuchtet auch die Elbphilharmonie nachts in den Regenbogenfarben: Sie wird jeweils von 21 bis 5 Uhr bunt illuminiert.

Aktionswoche gegen Diskriminierung

Der CSD ist Teil der sogenannten Hamburg Pride Week, die am vergangenen Sonnabend eröffnet wurde. Rund um den gesamten Veranstaltungsbereich sind zahlreiche Straßen gesperrt. Der HVV rät, mit U- und S-Bahnen in die City zu fahren und setzt verlängerte Züge ein. Zudem fahren die meisten U-Bahnen bis 0.30 Uhr im 10-Minuten-Takt, die U3 sogar alle 5 Minuten.

Erinnerung an Proteste nach Razzia 1969 in New York

Der CSD steht weltweit für den Widerstand der Homosexuellen gegen Diskriminierung. Er wird jedes Jahr im Sommer mit Paraden, Demonstrationen und Festen gefeiert. Der CSD geht auf das Jahr 1969 zurück, als es nach einer Polizei-Razzia im New Yorker Bezirk Greenwich Village zu dreitägigen, massiven Protesten von Lesben, Schwulen, Transgender-Menschen und Bisexuellen kam. In Erinnerung daran gibt es seit 1980 auch in Hamburg die alljährliche Parade.

Vom Stonewall zum CSD - Politikparade seit 1980

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.08.2017 | 19:30 Uhr

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