Stand: 17.09.2015 14:50 Uhr

Sophienterrasse: Flüchtlinge können kommen

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Im ehemaligen Kreiswehrersatzamt an der Sophienterrasse werden wohl noch im Winter die ersten Flüchtlinge einziehen.

Mitten im wohlhabenden Hamburger Stadtteil Harvestehude entsteht ein Flüchtlingsheim. Die Anwohner des Villenviertels haben am Donnerstag nach monatelangem Streit einen entsprechenden Vertrag mit dem Bezirksamt Eimsbüttel unterzeichnet. "Dieser Durchbruch ist ein guter Kompromiss", sagte Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD). "Es ist gelungen, nach langen rechtlichen Auseinandersetzungen, endlich eine Bresche zu schlagen."

190 statt 220 Flüchtlinge können einziehen

Damit ist der Weg für eine Übergangsunterkunft auch formal freigemacht. Noch im Dezember könnten die ersten Flüchtlinge in das ehemalige Kreiswehrersatzamt an der Sophienterrasse einziehen, wie NDR 90,3 berichtete. Dann soll der Umbau des Gebäudes beendet sein. Der jetzt besiegelte Kompromiss gleicht dem Vergleichsvorschlag, den das Oberverwaltungsgericht bereits im Mai unterbreitet hatte: Statt der geplanten 220 Flüchtlinge sollen dort nur 190 unterkommen. Außerdem wird die Unterbringung der Asylsuchenden an diesem Ort - anders als vom Senat gewünscht - auf zehn Jahre begrenzt. Danach sollen hier Wohnungen gebaut werden.

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Der Anwohner-Anwalt Gero Tuttlewski (links) und Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke sind mit dem Vertrag zufrieden.

Die Anwohner hatten den Vorschlag bis vor Kurzem noch abgelehnt und vor Gericht einen Stopp der Umbauarbeiten erzwungen. Nach zweiwöchigen Verhandlungen hatten sich die Parteien am Montag dann doch noch geeinigt. "Meine Mandanten sind mit dem Ergebnis zufrieden", sagte Gero Tuttlewski, der Rechtsanwalt der drei klagenden Anwohner. Der Sinneswandel sei nicht durch die aktuelle Flüchtlingswelle ausgelöst worden. "Das hat weniger mit der Zunahme der Ströme zu tun, sondern in erster Linie mit dem herannahenden Winter, sodass diese Unterkunft vor der kalten Jahreszeit wirklich in Betrieb genommen werden muss."

Flüchtlinge sollen auch in wohlhabende Stadtteile

Der Hamburger Senat hatte Anfang 2014 beschlossen, dass Flüchtlinge nach Harvestehude kommen sollen. Er sah das für 15 Millionen Euro gekaufte Gebäude in Alsternähe als Beweis dafür, dass Flüchtlinge auch in wohlhabenden Stadtteilen untergebracht werden. Hamburg ist dringend auf neue Wohnplätze angewiesen. Mittlerweile rechnet der Senat damit, dass allein in diesem Jahr 30.000 Flüchtlinge in die Hansestadt kommen. Am Mittwochabend hat die Bürgerschaft eine halbe Milliarde Euro zusätzlich für deren Unterbringung bewilligt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.09.2015 | 15:00 Uhr