Stand: 27.01.2016 13:23 Uhr

Sophienterrasse: Die Flüchtlinge sind da

In die Flüchtlingsunterkunft im wohlhabenden Hamburger Stadtteil Harvestehude sind am Mittwoch nach einem langem Rechtsstreit die ersten Flüchtlinge eingezogen. Am Vormittag wurden 47 Frauen, Männer und Kinder per Bus aus Erstaufnahmeeinrichtungen in Wilhelmsburg an die Sophienterrasse gebracht. Die meisten Flüchtlinge haben zuvor bereits mehrere Monate in den Erstaufnahmen gelebt. Sie kommen vor allem aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea, wie Susanne Schwendtke vom städtischen Betreiber fördern & wohnen sagte. Die Flüchtlinge wirkten erleichtert, als sie aus dem Bus stiegen, sie lächelten in die Kameras der zahlreichen Medienvertreter und winkten fröhlich.

Ein Gruppe Flüchtlinge steht in Hamburg vor der neu eröffneten Unterkunft an der Sophienterasse im Stadtteil Harvestehude. © dpa Fotograf: Christian Charisius

Erste Flüchtlinge ziehen an die Sophienterrasse

Hamburg Journal -

In die Flüchtlingsunterkunft im wohlhabenden Stadtteil Harvestehude sind nach langem Rechtsstreit die ersten Flüchtlinge eingezogen - knapp 50 Männer, Frauen und Kinder.

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Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern

Der Umzug in eine Folgeunterkunft bedeutet für sie mehr Selbstständigkeit, aber auch mehr Eigenverantwortung. Schwendtke sagte NDR 90,3: "Ganz wichtig ist, dass sie zum Bezirksamt gehen und schauen, dass sie alles regeln, was zum Leben gehört." Unterstützt werden die Flüchtlinge dabei auch von ehrenamtlichen Helfern der Flüchtlingshilfe Harvestehude, die ab kommender Woche eine Teestube betreiben und verschiedene Angebote machen wollen.

In welcher Umgebung die Flüchtlinge nun lebten, sei den meisten Bewohnern gar nicht bewusst, sagte Heimleiterin Caroline Smolny. Denn im Gebäude seien die Zimmer wie überall in Flüchtlingsunterkünften. Zeit für große Erkundungsgänge der Neu-Harvestehuder gebe es vorerst nicht, sagte Smolny. Nach dem Einchecken und der Entgegennahme etwa der Begrüßungsordner, der Geschirrpakete und auch der Beutel für die Mülltrennung müssten die Bewohner erst einmal aufs Amt, um registriert zu werden.

"Eine bunte Mischung"

Insgesamt bieten die für rund 2,8 Millionen Euro umgebauten Räume des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes an der Sophienterrasse Platz für 190 Flüchtlinge. Die 23 Wohnungen sollen am Ende zu 80 Prozent mit Familien belegt sein. "Wir haben versucht, ein bisschen nach Nationalitäten zu sortieren", sagte Smolny. Aber spätestens bei den alleinstehenden Männern gehe das nicht mehr. "Da wird eine bunte Mischung in einer großen WG sein." Wichtig sei aber nun vor allem, dass die aus der Erstaufnahme kommenden Menschen jetzt etwas Privatsphäre bekämen. "Alles andere wird man dann schon sehen."

Der Einzug ins Villenviertel

Jalal Al Omar aus Syrien ist auf jeden Fall zuversichtlich. Der 40-Jährige kam vor sieben Monaten mit seinem 37 Jahre alten Bruder nach Deutschland und ist bislang sehr zufrieden mit seiner neuen Heimat und auch mit seiner neuen Unterkunft. "Ich habe ein Zimmer mit meinem Bruder. Ich bin sehr glücklich hierhergekommen zu sein." Er hoffe, dass die Flüchtlinge und Nachbarn gut miteinander klar kämen.

Langer Rechtsstreit

Das Ringen um die Unterkunft hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Anfang 2015 hatten Anwohner erfolgreich gegen den Bau der Flüchtlingsunterkunft in dem Villenviertel geklagt. Auch einem Vergleichsangebot im Mai stimmten die drei Kläger nicht zu. Nach fast einjährigem Rechtsstreit verständigten sich Anwohner und das Bezirksamt Eimsbüttel im September vergangenen Jahres dann aber doch auf einen Kompromiss. Statt rund 220 wohnen künftig maximal 190 Flüchtlinge in dem seit 2012 leer stehenden Gebäude - befristet auf zehn Jahre. Außerdem wurde ein Zaun um das insgesamt 15 Millionen Euro kostende Heim gezogen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.01.2016 | 13:00 Uhr

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