Stand: 05.06.2014 12:42 Uhr

So soll das Deserteurdenkmal aussehen

So sieht der Siegerentwurf von Volker Lang für das Deserteurdenkmal auf dem Hamburger Stephansplatz aus.

Auf dem Hamburger Stephansplatz soll neben dem Kriegerdenkmal ein Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz errichtet werden. Im Gestaltungswettbewerb für dieses Deserteurdenkmal ist nun eine Entscheidung gefallen. Eine elfköpfige Jury entschied sich für den Entwurf des Hamburger Künstlers Volker Lang, wie die Kulturbehörde am Donnerstag bekannt gab.

"Wichtiges politisches Zeichen für Zivilcourage"

Kultursenatorin Barbara Kisseler: "Mit dem Konzept von Volker Lang ist es gelungen, eine überzeugende Idee zu finden, die zur späten Rehabilitation der Deserteure und anderer Opfer der NS-Militärjustiz beiträgt." Der Mut der Menschen, die sich dem Unrecht der NS-Zeit entgegengestellt haben, sei viel zu lange nicht angemessen gewürdigt worden. Das Deserteurdenkmal sei ein "wichtiges politisches Zeichen für Zivilcourage und Gerechtigkeit". Junge Leute sollten dadurch ermutigt werden, für Frieden, Toleranz und Mitmenschlichkeit einzutreten, so Kisseler.

Neben Kriegerdenkmal und Gegendenkmal

Am Stephansplatz in der Nähe des Dammtorbahnhofes befindet sich bereits das 1936 errichtete Kriegerdenkmal von Richard Kuöhl, das an die Soldaten des Infanterie-Regiments "Hamburg Nr. 76" erinnert, sowie das 1983 bis 1986 als Gegendenkmal errichtete und unvollendet gebliebene "Mahnmal gegen den Krieg" von Alfred Hrdlicka. Die Hamburgische Bürgerschaft hatte im Juni 2012 einstimmig beschlossen, ein Deserteurdenkmal in der Nähe dieser beiden Denkmäler zu errichten.

500.000 Euro für Realisierung

Die Fertigstellung des Gedenkortes ist für 2015 geplant. Für die Realisierung stehen nach Angaben der Kulturbehörde insgesamt bis zu 500.000 Euro zur Verfügung.

Dreieick mit Schriftgittern

Der Siegerentwurf sieht einen transparenten Baukörper in der Form eines gleichseitigen Dreiecks zwischen dem Kriegerdenkmal und dem Gegendenkmal vor. Zwei der drei Wände werden aus bronzenen Schriftgittern gebildet. Eine gefaltete geschlossene Wand schließt den Raum zum Dammtordamm ab. Die Texte der Schriftgitter sind dem Werk "Deutschland 1944" des Autors Helmut Heißenbüttel entnommen. Sie wird man dann am Denkmal mit einer Audio-Installation auch hören können. Historischen Informationen zum Gedenkort werden als Schrift auf der Betonwand angebracht.

Die Jury hob hervor, dass der Entwurf durch ein zurückhaltendes und zugleich klares Auftreten zwischen den beiden vorhandenen Denkmälern überzeuge. Es erliege nicht der Versuchung, deren starkem materiellem Auftreten mit Wucht entgegenzutreten. Vom 12. bis 25. Juni zeigt eine Ausstellung im Leo-Lippmann-Saal der Finanzbehörde am Gänsemarkt die Ergebnisse des Wettbewerbs.