Stand: 18.03.2016 15:42 Uhr

"Sea-Watch 2" ist bereit für Mittelmeer-Mission

Wochenlang wurde gehämmert, gepinselt und geschraubt: Jetzt ist die "Sea-Watch 2" fertig für ihren Einsatz zur Flüchtlingsrettung im Mittelmeer. Am Freitagmittag ist sie im Hamburger Sandtorhafen getauft worden. Für 200.000 Euro - alles aus Spendengeldern finanziert - hat die "Sea-Watch"-Initiative das zweite Schiff gekauft. Es hat 660 PS, ist mit 33 Metern Länge deutlich größer als die "Sea-Watch 1" und bietet Platz für eine Besatzung von bis zu 13 Mann. Außerdem soll sie den Vorteil haben, auch bei Herbststürmen und in rauer See fahren zu können. Die Initiative hofft deshalb, mit ihrem zweiten Schiff ganzjährig und verlässlicher verzweifelten Menschen auf dem Mittelmeer helfen zu können.

Größer, schneller und ganzjährig einsetzbar

Schon seit Juni sind die Aktivisten mit einem Schiff im Mittelmeer vor der libyschen Küste unterwegs. "Wir sind im vergangenen Jahr auf den Rettungseinsätzen immer wieder an technische Grenzen gestoßen", sagte Einsatzleiter Ingo Werth. Die Erfahrungen daraus seien in den Umbau eines Forschungsschiffes zur "Sea-Watch 2" eingeflossen.

Krankenstation für Versorgung von Geretteten

Nach wie vor ist es die Hauptaufgabe der Retter, in Seenot geratene Flüchtlingsboote an die Küstenwache oder andere offizielle Stellen zu melden. Mit an Bord sind deshalb reichlich Rettungswesten, Rettungsinseln und Gummiboote. Die "Sea-Watch 2" hat aber auch eine eigene Krankenstation. Drei Mediziner sind immer an Bord. "Wir können Schwerverletzte behandeln", sagte Frank Dörner, der medizinische Leiter. "Das war auf der kleinen 'Sea-Watch 1' nur sehr begrenzt möglich.” Zwei Speedboote können jetzt zu den Flüchtlingen rausfahren und ihre Boote sicher an die Seite des großen Schiffes bringen.

Spenden ermöglichen das Projekt

Schon jetzt sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer zwischen Afrika und Europa ertrunken. Schlepper schicken sie oft mit seeuntüchtigen Booten auf die gefährliche Überfahrt. "Bei unserer ersten Mission im letzten Jahr mussten wir bereits fast jeden Tag Menschen in Seenot helfen, oft in letzter Sekunde", sagt Projekt-Initiator Harald Höppner und wirft den Behörden Versagen vor: "Nach wie vor muss die Zivilgesellschaft einspringen, damit nicht noch mehr Menschen sterben." Ervermutet, dass die Flucht sich wieder stärker ins zentrale Mittelmeer verlagern wird.

So war die Taufe der "Sea-Watch 2"

Vier deutsche Schiffe im Rettungseinsatz

Im April soll die "Sea-Watch 2" in See stechen. In diesem Sommer könnten dann drei private Rettungsschiffe aus Deutschland im Mittelmeer unterwegs sein: Neben der "Sea Watch 2" die "Aquarius" des Vereins "SOS Méditerranée" sowie die "Sea Eye" des Regensburger Unternehmers Michael Buschheuer. Die alte "Sea Watch" soll nach Bedarf eingesetzt werden.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR sind seit Jahresbeginn mehr als 156.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen - im Vorjahreszeitraum waren es gut 23.000. Mehr als 144.000 von ihnen reisten über Griechenland ein. Das UNHCR geht von mehr als 460 Toten oder Vermissten bislang in diesem Jahr aus. Im gesamten Vorjahr waren es 3.771.

Weitere Informationen
mit Video

Mit der "Sea-Watch" auf hoher See

18.09.2015 21:15 Uhr
Die Reportage

Eine Gruppe Freiwilliger will nicht länger zusehen, wie Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Mit einem umgebauten Kutter gehen sie auf Rettungsmission. mehr

"Sea-Watch 2": Länger retten mit größerem Schiff

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.03.2016 | 15:00 Uhr