Stand: 04.06.2015 14:01 Uhr

Schiffbau fordert mehr Geld für Forschung

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Will bei der Bundesregierung mehr für die Schiffbau-Branche herausholen: VSM-Hauptgeschäftsführer Lüken.

Die deutsche Schiffbauindustrie und die Gewerkschaft IG Metall kämpfen gemeinsam für mehr Innovationen und Forschung in der maritimen Wirtschaft. Dazu fordern sie unter anderem mehr Geld vom Bund. "Schiffbau, Schifffahrt und Offshore-Technik sind Zukunftsmärkte und gehören zu den wesentlichen globalen Wachstumskernen für das 21. Jahrhundert", sagte Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), am Donnerstag in Hamburg. "Die Frage ist nur, ob wir dabei sind oder nicht."

Ziel: Verdoppelung der Fördergelder

Gemeinsam mit der IG Metall hat der Verband Vorschläge für eine neue Struktur der Forschungsförderung entworfen. Vorgesehen ist darin eine Aufstockung der Fördermittel von Bund und Ländern. Aus verschiedenen Töpfen erhalte die Branche pro Jahr insgesamt rund 74 Millionen Euro, sagte Lüken. Die Vorschläge laufen darauf hinaus, die Forschungsförderung für maritime Technologien der nächsten Generation von 32 auf 64 Millionen Euro zu verdoppeln und die Innovationsförderung für die Werften von 30 auf 45 Millionen Euro aufzustocken.

"Hightech-Branche mit Zukunftspotenzial"

"Der Weltmarkt hat sich seit 2008 enorm entwickelt, aber die deutsche Politik für Schiffbau und Meerestechnik steht still", sagte Lüken. Die maritime Industrie werde in Berlin und in den südlichen Bundesländern nicht richtig wahrgenommen als Hightech-Branche mit großem Zukunftspotenzial. Dabei ist ein Großteil der maritimen Zulieferindustrie in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ansässig. So seien auch die vergleichsweise geringen Förderbeträge für die Branche zu erklären. Zum Vergleich: Die Luft- und Raumfahrtindustrie wird vom Staat mit rund 1,4 Milliarden Euro jährlich gefördert.

Forschungszentrum für Schiffbau und Meerestechnik gefordert

Entscheidend sei aber nicht nur die Höhe der Förderung, sondern auch die Struktur. Die Branche fordert eine zentrale Forschungsinstitution für Schiffbau und Meerestechnik, analog zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Die maritime Industrie ist eine Zukunftsindustrie mit 100.000 Beschäftigten", sagte Heino Bade von der IG Metall. Sie produziere aber - anders als die Flugzeugindustrie - keine Serienmodelle, sondern Einzellösungen und Unikate. Jedes Schiff sei wieder ein neues Projekt. Dementsprechend müsse die Förderung kleinteiliger, schneller und unbürokratischer organisiert werden.

Der Forderungskatalog von VSM und IG Metall soll im Oktober bei der maritimen Konferenz in Bremerhaven mit der Bundesregierung diskutiert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.06.2015 | 14:00 Uhr