Stand: 01.06.2017 11:36 Uhr

Reederei Rickmers stellt Insolvenzantrag

Die Hamburger Reederei Rickmers hat am Donnerstag einen Insolvenzantrag beim zuständigen Hamburger Amtsgericht gestellt. Das bestätigte ein Sprecher der Reederei. Der Schritt wurde notwendig, nachdem die HSH Nordbank am Vortag dem Sanierungskonzept für das Unternehmen die Unterstützung verweigert hatte. Der finanzielle Todesstoß sei sehr überraschend und ohne weitere Verhandlungsbereitschaft gekommen, heißt es in einer Mitteilung von Rickmers. Neue Kredite lehnt die HSH Nordbank ebenfalls ab. Damit gibt es für die Hamburger Reederei keine Zukunft mehr. Rickmers hat rund 1,5 Milliarden Euro Schulden - und kann diese nicht mehr tilgen.

340 Millionen Euro Verlust allein im vergangenen Jahr

"Für den maritimen Standort Hamburg ist das natürlich sehr bedauerlich", sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) zu NDR 90,3. "Wir sind jetzt jahrelang schon auf einem Weg, dass wir viel maritime Kompetenz und viel maritime Aktivität verlieren." Rickmers war durch die lange und schwere Schifffahrtskrise in Bedrängnis geraten und machte allein im vergangenen Jahr rund 340 Millionen Euro Verlust.

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Patriarch Bertram Rickmers sollte laut Sanierungsplan auf rund drei Viertel seiner Anteile an dem Unternehmen verzichten.

Auch die kriselnde HSH Nordbank kämpft als einst größter weltweiter Schiffsfinanzierer selbst mit den Folgen der Branchenkrise. Sie ist mit Abstand der größte Rickmers-Gläubiger. Die Bank hat der Reederei Schätzungen zufolge einen höheren dreistelligen Millionenbetrag geliehen. Man sei auf die jetzige Situation aber gut vorbereitet, sagte ein Sprecher der Bank. Neben der HSH Nordbank gehören auch die Unicredit, die Deutsche Bank, die NordLB und weitere Institute zum Gläubigerkreis von Rickmers. Schifffahrtsanalysten fürchten, dass nach neun Jahren Krise in der Branche weiteren Reedereien die Luft ausgehen könnte.

220 Mitarbeiter in Hamburg betroffen

Wie es mit Rickmers und den etwa 220 Mitarbeitern allein in Hamburg weiter geht, ist noch offen. Insgesamt arbeiten mehr als 2.000 Menschen für die Reederei. Der Rickmers-Vorstand strebt nach eigenen Angaben eine so genannte Sanierung in Eigenverwaltung an und will den Geschäfts- und Schiffsbetrieb zunächst fortsetzen. Das Amtsgericht muss nun einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen, der die Finanzen der Rickmers Gruppe unter die Lupe nimmt. Der Zeitplan dafür ist aber noch unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.06.2017 | 12:00 Uhr

Rickmers - ein Leben für die Schifffahrt

1834 gründet Rickmer Clasen Rickmers in Bremerhaven eine Werft. Das Familienunternehmen meistert über die Jahre viele Krisen. 2017 muss die Rickmers-Group Insolvenz anmelden. mehr

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