Stand: 11.01.2016 15:37 Uhr

Polizei zeigt mehr Präsenz auf dem Kiez

Am ersten Wochenende nach Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht hat die Hamburger Polizei verstärkt Präsenz auf dem Kiez gezeigt. Überall auf der Reeperbahn waren Beamte im Einsatz. Am Freitag- und am Samstagabend waren jeweils rund 120 Polizisten unterwegs. Dazu gehörten auch die Reiterstaffel, Videowagen und Beamte mit Schulterkameras. Besondere Vorfälle habe es nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Er sprach von einer "normalen Kiezlage". Innensenator Michael Neumann (SPD) und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer machten sich in der Nacht zum Sonntag bei einem Rundgang ein Bild vor Ort. Ein Sprecher der Innenbehörde sagte, es sei den beiden vor allem darum gegangen, mit den Polizisten zu reden und sich zu informieren.

Mehr als 470 Menschen überprüft

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Frauen demonstrierten am Sonntag auf St. Pauli gegen Sexismus und Männergewalt.

Einen Zwischenfall gab es, als ein Zivilfahnder einen betrunkenen 28-Jährigen stellen wollte. Dabei gab er einen Warnschuss ab. Der Mann hatte laut Polizei mit zwei Komplizen im Alter von 28 und 26 Jahren zwei Frauen mit einer Schusswaffe bedroht. Die beiden Frauen hätten sich daraufhin hinter einem Fahrzeug versteckt und die Polizei gerufen. Nachdem der Mann zunächst nicht reagierte, konnte er nach dem Warnschuss überwältigt werden. Die Beamten stellten seine scharfe Waffe sicher. Die Polizei überprüfte am Wochenende 472 Menschen auf dem Kiez, in der Nacht zum Sonnabend 275 und in der Nacht zum Sonntag 197. Es gab sechs Festnahmen. Darunter waren zwei Männer, gegen die Haftbefehle vorlagen.

Am Sonntag demonstrierten rund 200 Frauen auf der Reeperbahn gegen Männergewalt. Sie hielten Schilder mit der Aufschift "Wir sind kein Freiwild!" hoch.

Mehr als 150 Anzeigen

Unterdessen ist die Zahl der Strafanzeigen wegen sexueller Übergriffe in der Silvesternacht erneut gestiegen. Wie die Polizei am Montag laut NDR 90,3 mitteilte, liegen nun bereits mehr als 150 Anzeigen vor. Am Freitag waren es noch 108 Anzeigen. Der Großteil der Taten sei in der Großen Freiheit nahe der Reeperbahn verübt worden, einige Fälle ereigneten sich am Jungfernstieg. Einen Tatverdächtigen hätten die Ermittler aber noch nicht identifiziert, sagte ein Sprecher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.01.2016 | 16:00 Uhr