Stand: 10.05.2017 17:28 Uhr

Opfer von Säure-Angriff sagt vor Gericht aus

Im Prozess um eine Säure-Attacke auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin hat das Opfer am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht ausgesagt. Die Frau gab an, ihr Noch-Ehemann habe sie an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht und ihr unvermittelt mit den Worten "Damit du weißt, was Trennungsschmerzen sind" ein Glas mit Salzsäure über Gesicht und Oberkörper geschüttet. Instinktiv habe sie ihre Augen geschlossen gehalten und sei zu ihren Kollegen ins Nebenzimmer gekrochen. "Ich hatte Schmerzen. Es hat sehr gebrannt", sagte die 46-Jährige. Sie erlitt schwere Verletzungen, war elf Tage auf der Intensivstation - geblieben ist eine Heiserkeit durch die angegriffenen Stimmbänder.

Angst vor Noch-Ehemann

Ruhig, klar und ausführlich schilderte die Frau laut NDR 90,3 das Geschehen am Tattag. Sie berichtete von ihrer Ehe und dem Familienleben und davon, wie es mit ihrem zehn Jahre älteren Mann, mit dem sie zwei Kinder hat, immer schlimmer wurde. Sie habe Angst vor ihm. Im März vorigen Jahres hatte sie sich getrennt, weil sie es trotz Eheberatung, Therapien und Erziehungsberatungen mit ihrem Mann nicht mehr aushielt. Seitdem habe es Beschimpfungen und Bedrohungen gegeben, zwischenzeitlich durfte er seiner Frau nicht mehr als 50 Meter näher kommen. Geschlagen hätte er sie aber nie. Deshalb sei sie auch völlig arglos gewesen, als ihr Mann damals in ihr Büro kam.

Angeklagter räumt Tat ein

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02:18 min

Prozessauftakt nach Säureattacke auf Ehefrau

28.04.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Ein 56-Jähriger muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Er hatte seine Frau, vermutlich aus Eifersucht, mit Säure überschüttet. Video (02:18 min)

Während der Aussage seiner Noch-Ehefrau saß der Angeklagte regungslos da. Der 56-Jährige hatte die Tat am Freitag zugegeben. Nachdem sie den Gerichtssaal wieder verlassen hatte, wurde er noch einmal zu seiner Aussage vom vergangenen Prozesstag befragt. Wie bereits zuvor gab er an, die Salzsäure nicht mit der Intention ins Jobcenter gebracht zu haben, um seine Frau zu verletzen. Bei dem Angriff habe es sich um eine Kurzschlussreaktion gehandelt. Die Staatsanwaltschaft ist da anderer Meinung. Laut Anklageschrift wollte er seine Frau absichtlich verunstalten und nahm eine Erblindung des Opfers in Kauf. Er muss sich daher wegen gefährlicher sowie versuchter schwerer Körperverletzung verantworten.

Mitte März hat die Frau mit ihrer Wiedereingliederung in den Beruf begonnen. Nebenbei macht sie eine Psychotherapie und nimmt Antidepressiva. "Sonst würde ich es nicht schaffen", sagte sie. "Ich habe Träume, in denen er mir etwas antut."

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Prozessauftakt: Ehefrau mit Säure überschüttet

Ein 56-Jähriger steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Hamburger Landgericht. Im November hatte er seine Frau an ihrem Arbeitsplatz mit Säure überschüttet. (28.04.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.05.2017 | 14:00 Uhr

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