Stand: 19.01.2016 08:40 Uhr

Neumann-Rücktritt: Richtiger Schritt eines Ausgebrannten

Die Gerüchte gab es bereits seit Monaten im Hamburger Rathaus. Schon vor der vergangenen Bürgerschaftswahl im Februar 2015 hatte Neumann auf seinem Handy einen Countdown bis zum Wahltermin. Den zeigte er auch gerne mit dem Hinweis: Bis dann muss ich noch. Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung wurde im Rathaus offen über den möglichen Rücktritt gesprochen. Jetzt ist es so weit: Der langjährige Innen- und Sportsenator Michael Neumann (SPD) geht.

Ein Kommentar von Anette van Koeverden (NDR 90,3)

Bild vergrößern
Anette van Koeverden kommentiert den Rücktritt von Innen- und Sportsenator Neumann.

Klare Kante, das war über Jahre sein Erfolgsrezept und genau so hat er auch seinen letzten Auftritt gestaltet. Mit klaren Worten: Für die Aufgaben des Hamburger Innen- und Sportsenators muss man brennen, meint Michael Neumann. Nach fünf Jahren wirkte er aber nur noch ausgebrannt.

Die SPD verliert damit ihren Mann für innenpolitische Kompetenz. Denn so geräuschlos und skandalfrei wie in den vergangenen fünf Jahren unter Innensenator Neumann lief es nicht oft in der Hamburger Innenpolitik. Die SPD konnte ihr Trauma von 2001 endlich überwinden. Damals wurden die Sozialdemokraten wegen ihrer luschigen Innenpolitik abgewählt, nach 44 Jahren.

Neumann hatte auch seine Kritiker und Gegenspieler im Griff. Die mächtigen Bosse der Polizeigewerkschaften waren handzahm. Sie attestierten Neumann oft, das Richtige zu tun. Die Polizisten fühlten sich respektiert und spürten den Rückhalt eines starken Innensenators, denn auf sie ließ er nichts kommen. Balsam für die Beamten.

Jetzt hat er genug. Die letzten Monate als Innen- und Sportsenator haben ihm zu viel abverlangt. Neumann wirkte zum Schluss gereizt und abgespannt. Keine gute Basis für das Amt. Deswegen ist es richtig, dass er geht. Denn zuletzt scherte Neumann immer wieder aus mit Vorstößen zur Flüchtlingsunterbringung, etwa mit der Verkündung von Großunterkünften und der Unterbringung von Flüchtlingen in Hallen. Alles zeugte von schnellem Handeln und wenig Absprache.

Dass Scholz jetzt auf Grote setzt, zeigt zweierlei. Erstens: Die Hamburger SPD hat niemanden mit Erfahrung für das wichtige Innenressort. Und Zweitens: Scholz will jemanden, der den Job professionell erledigt, ohne Solo-Einlagen. Den hat er mit Grote, der sich mit schwierigen Aufgaben auskennt. Er hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte nach den vielen Fällen von Kindesmisshandlung umgekrempelt. Einen Zugang zur Polizei hat Grote allerdings nicht. Deshalb dürfte sich dort die Begeisterung für den neuen Innensenator in Grenzen halten. Denn der enge Draht zur Innenbehörde ist jetzt eher eine lose Schnur.

Weitere Informationen

Bürgerschaft bestätigt Innensenator Grote

Hamburgs neuer Innensenator Grote ist vereidigt worden und nun offiziell im Amt. Die Bürgerschaft bestätigte ihn mit 72 von 118 Stimmen. Das sind exakt so viele Stimmen, wie SPD und Grüne Sitze haben. mehr

Michael Neumann: Soldat, Gesetzeshüter, Sportfan

Innensenator Michael Neumann gibt nach fünf Jahren sein Amt auf. Ein Kurzporträt zeigt seine wichtigsten politischen Stationen auf. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.01.2016 | 08:40 Uhr