Stand: 07.10.2017 14:58 Uhr

Nach "Xavier": Noch Probleme auf Bahnstrecken

Nach dem heftigen Sturm "Xavier", der am Donnerstag über Norddeutschland hinweggezogen ist, läuft der Fernverkehr der Bahn noch immer nicht planmäßig. Die Strecke Hamburg-Berlin wird voraussichtlich erst am Montag wieder befahrbar sein. Dort sind auf einer Länge von sechs Kilometern die Oberleitungen durch umgekippte Bäume massiv beschädigt worden. Reisenden wird laut einer Bahnsprecherin aber seit dem Morgen eine Umleitung über Uelzen und Stendal angeboten - allerdings nur "vereinzelt und mit wenig Kapazitäten". Es gebe eine Fahrzeitverlängerung von ungefähr einer Stunde. Schlechter sind die Aussichten für die Bahnstrecke von Hamburg nach Bremen, sie kann wohl erst am Dienstag wieder genutzt werden.

Erste Strecken wieder frei

Andere Strecken hingegen sind inzwischen ganz oder teilweise freigegeben worden: Zwischen Hamburg und Hannover fahren die Züge wieder in beiden Richtungen - auch wenn es wegen Reparaturtrupps weiter zu Verzögerungen kommt. Auch auf den Strecken Hamburg-Westerland und Hamburg-Kiel rollen die Züge wieder einigermaßen nach Plan.

Insgesamt setzt die Bahn 100 Mitarbeiter und 17 Spezialfahrzeuge für die Reparatur der Oberleitungen ein. Allgemein fahren Regionalzüge nur mit Einschränkungen. Die Bahn hat eine kostenlose Sondertelefonnummer 0 8000 99 66 33 für Reiseauskünfte geschaltet und informiert auf ihrer Website. Die Metronom Eisenbahngesellschaft erklärte, dass sie an diesem Wochenende überhaupt nicht fahren wird. Der Fahrgastverband allerdings kritisiert die Informationspolitik der Bahn. Zudem müsse die Bahn künftig den Bewuchs neben den Gleisbetten besser kontrollieren. Früher habe es zehn Meter breite freie Streifen neben den Gleisen gegeben, damit Bäume nicht auf die Gleise fallen konnten.

Warten auf den Taxi-Gutschein

Die Bahn gab bekannt, dass die Gültigkeit der Zugtickets für betroffene Verbindungen bis zum 15. Oktober verlängert wird. Das Unternehmen bot auch Taxifahrten nach Berlin, Bremen, Hannover oder Schwerin an. Die Reisenden mussten sich dafür einen Taxigutschein holen und konnten dann mit je drei anderen losfahren. Allerdings gab es auch für die Coupons längere Schlangen, und es standen auch nicht sofort Taxis des Bahn-Vertragspartners bereit. Viele Zugpassagiere zeigten sich aber erleichtert, dass sie nach langem Warten endlich abreisen konnten. Einige Reisende versuchten, sich privat zu organisieren und vor dem Bahnhof Mitfahrer für Taxis zu finden. Eine Fahrt nach Berlin wurde etwa für 600 Euro angeboten, eine Tour nach Hannover für rund 300 Euro.

So hat "Xavier" Hamburg erwischt

Feuerwehr beendet Ausnahmezustand

Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr war der Freitag noch einmal turbulent: Sie rückten zu 289 Einsätzen aus, um umgekippte Bäume zu sichern oder zu entfernen, Sielabflüsse von Laub und Ästen zu befreien, damit das Wasser auf den Straßen abfließen kann. Für die Feuerwehr war es einer der längsten Großeinsätze der vergangenen Jahre, alle Drehleitern seien im Einsatz gewesen, sagte ein Sprecher. Am Freitagabend dann beendete sie den Ausnahmezustand.

Eine Tote, mindestens zehn Verletzte

Sturm "Xavier" war am Donnerstagnachmittag mit Wucht auf den Norden getroffen, hatte vielerorts Bäume entwurzelt und für das Chaos im Bahnverkehr gesorgt. In Horn war eine 54-jährige Beifahrerin ums Leben gekommen, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Die 56-jährige Fahrerin des Wagens konnte schwer verletzt gerettet werden. Mindestens zehn Menschen wurden bei dem Unwetter zum Teil schwer verletzt. Nach Einschätzung der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erreichten die Böen in der Hansestadt Windstärke 11.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.10.2017 | 08:00 Uhr

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