Stand: 09.08.2017 16:00 Uhr

Messerangreifer wollte mehr Menschen töten

von Georg Mascolo

Der 26-jährige Palästinenser Ahmad A., der Ende Juli in Hamburg-Barmbek mit einem Messer Passanten attackiert hatte, bedauert, nicht mehr Menschen getötet zu haben. Dies erklärte er nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" in einer Vernehmung durch das Hamburger Landeskriminalamt.

Entschluss zur Tat erst am Tag selbst

Ahmad A. sagte demnach aus, er habe so viele "Christen und Jugendliche" wie möglich töten wollen. Den Entschluss zu der Tat habe er erst an dem Tag selbst getroffen. Zunächst habe er überlegt, mit einem Lastwagen oder einem Auto zuzuschlagen - so wie es etwa Attentäter in Nizza oder auf dem Berliner Weihnachtsmarkt taten - sich dann aber für eine Messer-Attacke entschieden. Bei der Tat in Hamburg starb ein Mensch, sieben weitere wurden verletzt.

Kein Bekenntnis zum IS

Ahmad A. erklärte, nicht im Namen des sogenannten Islamischen Staates gehandelt zu haben, sondern berief sich bei seiner Tat direkt auf den Religionsstifter Mohammed. Seit 2014 habe er sich allerdings mit radikalen Ideologien beschäftigt, auch mit der des IS. In Kreisen der Ermittler gilt allerdings als wahrscheinlich, dass Ahmad A. jahrelang schwankte, ob er die Abgrenzung zu einer westlichen Lebensweise suchen soll. Hierzu passt, dass er immer wieder Drogen konsumierte oder Alkohol trank - um dann wiederum andere Flüchtlinge wegen solchen Verhaltens zu kritisieren.

Gab es Versäumnisse von Behörden?

Der Hamburger Verfassungsschutz hatte aufgrund solcher Hinweise die Einschaltung des Sozial-Psychiatrischen Dienstes vorgeschlagen, was die Polizei aber offenbar unterließ. Der Innenauschuss der Bürgerschaft will in einer Sondersitzung klären, ob und welche Versäumnisse der Behörden es gab.

Ahmad A. erklärte in seiner Vernehmung, er habe sich erst am Mittwoch vor der Tat zu einer streng-religiösen Lebensweise entschieden. Am Freitag selbst habe ihn eine Predigt aufgewühlt, die er in der Hamburger As-Sahaba-Moschee gehört habe, die unmittelbar neben dem späteren Tatort liegt. Es sei in der Predigt um die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem gegangen, eine der bedeutendsten Moscheen in der islamischen Welt. Erst unlängst kam es dort zu Auseinandersetzungen. Es gibt keine Hinweise, dass die Predigt in der As-Sahaba-Moschee radikal war oder Gewalt befürwortete.

Wie können ähnliche Fälle verhindert werden?

Der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen hat, will Ahmad A. nun psychiatrisch begutachten lassen. In Kreisen der Sicherheitsbehörden erhofft man sich Erkenntnisse über den Fall hinaus. Bereits vor Monaten warnte der BND vor dem Risiko, das durch Flüchtlinge ausgehen könne, die sich nach ihrer Ankunft radikalisieren. "Die Ankunft in einem fremden Kulturkreis, eine suboptimale provisorische Unterbringung oder der mögliche Verlust eines gehobenen gesellschaftlichen Status" könne "die Radikalisierung grundsätzlich stark begünstigen," hieß es in einer Analyse. Zu den Aufgaben gehört nun solche Fälle früher zu erkennen - und auch die psychologische Betreuung zu verbessern.

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NDR Info | Aktuell | 09.08.2017 | 16:00 Uhr

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