Stand: 20.10.2012 15:50 Uhr

Loki Schmidt: Mehr als nur eine Kanzlergattin

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Loki Schmidt engagierte sich vor allem für die Umwelt.

Lehrerin, Botanikerin, Autorin: Hannelore "Loki" Schmidt war mehr als nur die Gattin ihres prominenten Ehemannes Helmut Schmidt. Sie mischte sich gern bei aktuellen Gesellschaftsthemen wie etwa der Schulpolitik ein und engagierte sich für den Schutz bedrohter Pflanzen. Für ihren Einsatz im Umweltbereich wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Auch als Kanzlergattin von 1974 bis 1982 erfreute sie sich bundesweit großer Sympathie und Anerkennung.

Mit zehn Jahren lernte sie Helmut kennen

Hannelore Glaser, geboren am 3. März 1919 in Hamburg, wuchs als Tochter eines Betriebselektrikers in bescheidenen Verhältnissen im Stadtteil Barmbek auf. Sie besuchte die Lichtwarkschule, eine der wenigen Reformschulen des höheren Schulwesens in der Weimarer Republik. Dort freundete sie sich im Alter von zehn Jahren mit ihrem späteren Ehemann Helmut an. Im selben Alter rauchten die beiden ihre erste Zigarette zusammen. "Loki und ich, wir rauchen seit mehr als 70 Jahren zusammen“, sagte Helmut Schmidt einmal.

Als Lokis Vater 1931 arbeitslos wurde, musste die Mutter als Näherin die Familie versorgen. Loki kümmerte sich tagsüber um ihre jüngeren Geschwister und kam häufig erst spätabends dazu, ihre Schularbeiten zu erledigen. Ihr Vater bedankte sich auf seine Weise: "Dann kochte mir mein lieber Vater eine Tasse Kaffee, legte auf die Untertasse eine Zigarette und schob mir das leise hin", erzählte Loki von ihrer Jugend. Diese Art der Belohnung hatte sich offenbar tief in Lokis Gedächtnis eingebrannt - sie habe später jedenfalls nie an Zigaretten oder Kaffee gespart, sagte sie.

Nach dem Abitur absolvierte Loki bis 1940 ein pädagogisches Studium in Hamburg. Der ursprüngliche Berufswunsch Biologin war an den hohen Studiengebühren gescheitert. Von 1940 bis 1972 war Loki Schmidt an Hamburger Volks- und Realschulen als Lehrerin tätig, ehe sie vor allem die öffentlichen Pflichten als Frau eines Bundesministers und dann Bundeskanzlers übernahm.

Den rund zwei Monate älteren Helmut Schmidt heiratete Loki im Juni 1942. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Das erste Kind, Helmut Walter, wurde 1944 geboren, starb jedoch nur wenige Monate später - vermutlich an Meningitis. Tochter Susanne kam 1947 zur Welt. Sie lebt als promovierte Volkswirtin in London und arbeitet für den TV-Sender Bloomberg.

Engagement für den Pflanzen- und Naturschutz

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Für ihre Verdienst um die Botanik erhielt Loki Schmidt die Ehrendoktorwürde.

Zwischen 1974 und 1982, der Kanzlerschaft ihres Mannes, nahm Loki Schmidt zwar viele protokollarische Aufgaben als Kanzlergattin wahr, baute sich aber zugleich ein eigenes Betätigungsfeld auf: den Pflanzenschutz. "Ich habe die Bonner Zeit meines Mannes ein bisschen ausgenutzt, um Gehör zu finden", gestand sie später. Zahlreiche Stiftungsaktivitäten gehen auf Loki Schmidts Initiative zurück.

Auf eigene Kosten begleitete sie Forschungsreisen von Wissenschaftlern, meistens der Max-Planck-Gesellschaft. 1985 entdeckte sie bei einer Reise nach Mexiko eine Bromelienart, die noch keinen Namen hatte. Fachleute gaben der Pflanze deshalb den Namen "Pitcairnia loki-schmidtiae". Als Dank für ihr nimmermüdes Engagement wurde sowohl eine Springkrautart nach ihr benannt ("Impatiens loki-schmidtiae") als auch eine Orchideen-Hybride eines Dahlenberger Züchters ("Doriella Loki Schmidt"). Außerdem gibt es eine Dahlie, die ihren Namen trägt.

Zahlreiche Veröffentlichungen und Auszeichnungen

Seit den 70er-Jahren setzte sich Loki Schmidt für die Botanischen Gärten als wichtige Institutionen zur Erforschung und Erhaltung biologischer Vielfalt ein. Hoch gelobt wurde ein von ihr 1997 veröffentlichter Bildband mit der ersten vollständigen Übersicht der Botanischen Gärten Deutschlands und deren bedeutender Sammlungen. Für das Buch recherchierte sie zwei Jahre lang und legte 26.000 Reisekilometer zurück. 1976 gründete Loki Schmidt die Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen. Sie schrieb zudem mehrere Bücher zum Thema, darunter "Schützt die Natur" (1979) und "Die Blumen des Jahres" (2003).

Ebenfalls im Jahr 2003 erschien das Buch "Loki - Hannelore Schmidt erzählt aus ihrem Leben", 2005 äußerte sie sich in "Mein Leben für die Schule" zur Bildungspolitik. Zu ihrem 80. Geburtstag erhielt Loki Schmidt von der Hamburger Universität für ihre Verdienste im Bereich der Botanik die Ehrenprofessur. Im Jahr 2000 verlieh ihr der Fachbereich Biologie der Universität Hamburg die Ehrendoktorwürde, 2007 erhielt sie die "Goldene Feder", den Medienpreis der Bauer-Verlagsgruppe. 2008 erschien das Buch "Erzähl doch mal von früher", in dem Loki Schmidt mit TV-Moderator Reinhold Beckmann über ihr Leben spricht.

Im Dezember 2008 beschloss der Hamburger Senat, sie mit der Ehrenbürgerwürde der Hansestadt zu ehren. Die Auszeichnung wurde ihr am 12. Februar 2009 verliehen.

Bewegende Trauerfeier

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In der Hamburger Hauptkirche Sankt Michaelis nahmen Freude und Wegbegleiter Abschied von Loki Schmidt.

In der Nacht zum 21. Oktober 2010 starb Loki Schmidt im Alter von 91 Jahren. Mit einer bewegenden Trauerfeier nahmen am 1. November in Hamburg Familie, Freunde und Wegbegleiter von ihr Abschied. Mehr als 2.000 Menschen kamen in die Hauptkirche St. Michaelis, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Horst Köhler, Altkanzler Gerhard Schröder sowie zahlreiche politische Weggefährten Helmut Schmidts. Loki Schmidt liegt auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf begraben.

Andenken an Loki Schmidt

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Die Bronzebüste von Loki Schmidt schuf der Bildhauer Manfred Sihle-Wessel 2005.

Seit Oktober 2012 heißt der Botanische Garten in Hamburg Klein Flottbek Loki-Schmidt-Garten. Eine Büste auf dem Gelände erinnert an die beliebte Hamburgerin. Auch ein Museum auf dem Gelände ist ihr gewidmet - das Loki Schmidt Haus. Das Museum - ein futuristischer blauer Kubus - informiert über Nutzpflanzen, aktuelle Forschungen und das Engagement Loki Schmidts für die Natur. Außerdem zeigt es wechselnde Sonderausstellungen.