Stand: 05.07.2017 16:00 Uhr

Kritik an Wasserwerfer-Einsatz gegen G20-Gegner

Bei den Anti-G20-Demonstrationen am Dienstagabend in Hamburg sind nach Angaben der Polizei vom Mittwoch vier Beamte und eine unbeteiligte Frau leicht verletzt worden. Fünf Demonstranten seien vorläufig festgenommen worden. Über verletzte Demonstranten machte die Polizei keine Angaben. Gipfelgegner hatten sich friedlich am Neuen Pferdemarkt im Stadtteil St. Pauli versammelt. Nach NDR Informationen rückte die Polizei dennoch in Mannschaftsstärke mit Wasserwerfern und Räumfahrzeugen an und vertrieb gegen 23 Uhr vereinzelte Feiernde und Menschen, die nach dem Eintreffen der Beamten die Straße blockierten.

Rund 3.000 Menschen waren zuvor einem Aufruf gefolgt, um auf den Straßen mit Musik und Getränken fröhlich ein Zeichen gegen den G20-Gipfel zu setzen. Polizeisprecher Timo Zill begründete den Wasserwerfer-Einsatz damit, dass die Menschen-Ansammlung mit rund 1.200 Personen auf der Kreuzung den Straßenverkehr gefährdet habe. Zudem seien Flaschen auf Beamte geworfen worden. Eine Flasche traf den Polizeiangaben zufolge eine 50-jährige Passantin, die eine Kopfplatzwunde erlitt. Verantwortlich hierfür soll ein 23-Jähriger sein, der dem Haftrichter zugeführt wurde. Drei der vier Verletzten Beamten erlitten den Angaben zufolge ein Knalltrauma. Ein Beamter sei durch einen Flaschenwurf am Oberschenkel verletzt worden. "Die Stunden nach Mitternacht waren dann extrem ruhig", sagte der Polizeisprecher.

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Kritik von Linken und Grünen am Polizeieinsatz

Der Hamburger Linken-Politiker Jan van Aken zeigte sich im NDR Interview entsetzt vom Vorgehen der Polizei und sprach von einem "Angriff auf die Demokratie". "Hamburg wollte mal eine weltoffene Stadt sein - und jetzt kommen hier Jugendliche zum friedlichen Protest und dürfen nicht mal zelten." Auch vonseiten der Grünen gab es Kritik am Vorgehen der Polizei. Die Bürgerschaftsabgeordnete Antje Möller nannte den Einsatz "unverhältnismäßig und nicht hilfreich".

Zelte auf Grünfläche entfernt - Pfefferspray eingesetzt

In der Frage der Protestlager hatte zuvor Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) erneut betont: Es könne Protestcamps zu Versammlungszwecken geben, aber keine Übernachtungscamps, weil dahinter die militante autonome Szene stehe. Trotzdem bauten die G20-Gegner am Dienstag weitere Zelte auf. Doch die Polizei ging wie schon bei einem Protestcamp auf der Elbhalbinsel Entenwerder vor und räumte mehrere Zelte der G20-Gegner auf einer Grünfläche an der Gählerstraße im Stadtteil Altona weg. Unter dem Protest von Hunderten Menschen entfernten sie am Dienstagabend auch Zelte, in denen zum Teil noch Demonstranten saßen. "Es ist keine Versammlung, es ist wildes Campen in einem Hamburger Park", sagte ein Polizeisprecher. Es flogen auch Flaschen auf Polizisten, die Pfefferspray einsetzten.

Polizei setzt Wasserwerfer auf St. Pauli ein

Im Volkspark Altona versammelten sich ebenfalls rund 150 G20-Gegner. Unter dem Motto "Schlafen gegen das Schlafverbot" bauten die Demonstranten etwa 30 Zelte auf, wie das NDR Hamburg Journal berichtete. Laut Polizei verliefen hier die Kooperationsgespräche erfolgreich: Wegen des Symbol-Charakters dürfen die Zelte stehen bleiben. Übernachtungen duldet die Polizei dagegen auch hier nicht.

Schlafplätze in Kirchen und Schauspielhaus

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Das Schauspielhaus öfffnete seine Pforten für Gipfelgegner.

Da die Stadt keine Camps mit Übernachtungsmöglichkeiten erlaubte, kamen Gipfelgegner in der Nacht zum Mittwoch im Deutschen Schauspielhaus unter. Die Hamburger Kulturstätte gab Räume zum Übernachten frei. "Etwa hundert G20-Gegner haben im Gang des Malersaals und im Malersaalfoyer übernachtet", bestätigte Sprecher Nils Wendtland.

Auch einige Kirchen der Hansestadt bieten G20-Gegnern für die Zeit der Konferenz eine Schlafstätte. "Wir erlauben die Übernachtung nicht, aber wir dulden sie", sagte Sieghard Wilm, Pastor der St. Pauli Kirche, dem NDR. Seine Gemeinde wolle so zur Deeskalation beitragen. Etwa 40 Personen übernachteten bereits vergangene Nacht in dem Gotteshaus. "Die Themen, die diese jungen Menschen bewegen, sind elementar für die Kirche."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.07.2017 | 16:00 Uhr

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