Stand: 12.08.2015 16:09 Uhr

"KoZe"-Betreiber fordern faire Perspektive

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Der Streit um das "Kollektive Zentrum" hatte sich in den vergangenen Wochen zugespitzt.

Im Streit über die Zukunft des linksalternativen "Kollektiven Zentrums" ("KoZe") in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs haben die Betreiber vom Senat eine faire Perspektive gefordert. Der jetzige Raum sei viel zu klein, der Bedarf für ein Kulturzentrum aber riesig, erklärten mehrere Gruppen und die Stadtteilinitiative Münzviertel am Mittwoch. Die Stadt hat das Areal mit der ehemaligen Gehörlosenschule und einer leer stehenden Kita an den Investor Hanseatische BauKonzept (HBK) verkauft, der dort Wohnungen bauen will.

"KoZe" befürchtet Räumung

Dem Verein "Kunstlabor naher Gegenden" wurde ein Teil des Kita-Gebäudes mietfrei zur Zwischennutzung überlassen. Offiziell hat der Verein nur das Erdgeschoss des Gebäudes mit 70 Quadratmetern und eine Außenfläche von 50 Quadratmetern gemietet, so die Finanzbehörde. Derzeit nutzten die Gruppen aber auch Spielplatz und Hof, Keller und ersten Stock. Ende Juli wurde unter Polizeischutz ein Bauzaun über den Hof gezogen, um eines der Gebäude auf dem Gelände von Asbest zu befreien. Damit solle die Räumung der Gebäude vorbereitet werden, kritisierten die "KoZe"-Aktivisten. Es habe bislang noch keine Asbestsanierung gegeben. Polizisten seien ständig dort und würden für Provokationen sorgen.

Zahlreiche Gruppe unterstützen das "KoZe". Das "Centro Sociale" im Schanzenviertel betonte: "Eine Stadt braucht Orte, die von wirtschaftlichen Zwängen befreit sind." Zivilgesellschaftliche Arbeit sei ein Geschenk für die Gesellschaft. Der Asta der Universität Hamburg und die Rote Flora kündigten an, man werde "Angriffen auf das 'KoZe' nicht tatenlos zusehen".

Investor will 400 Wohnungen bauen

Der Vertrag mit der HBK wurde schon im Dezember 2014 unterschrieben, das etwa 8.500 Quadratmeter große Gelände gehört aber noch der Stadt. Vor der Übergabe muss es noch einen Architektenwettbewerb geben und der Kaufpreis muss vollständig überwiesen sein. Bei den 400 Wohnungen, die die HBK bauen will, sollen 60 Prozent der Wohnfläche öffentlich gefördert werden. Neben Senioren- und Familienwohnungen soll es Studentenwohnungen geben, erklärte der Investor. Zudem würden frei finanzierte Mietwohnungen entstehen.

Im "KoZe" sind mittlerweile mehrere Gruppen vertreten, es gibt eine Fahrradwerkstatt und diverse Kurse werden angeboten. Das Konzept des "KoZe" für das Gelände sei besser, als das der HBK, sagte ein Aktivist. Der Komplex mit der früheren Gehörlosenschule und der Kita soll bis auf ein unter Denkmalschutz stehendes älteres Gebäude abgerissen werden. Der Abriss des früheren Schulgebäudes solle nach den Asbestarbeiten beginnen, also etwa Ende August oder Anfang September, heißt es bei der Finanzbehörde. Das Kita-Gebäude könne solange stehen bleiben, bis es den Bauarbeiten im Weg stehe, sagte ein Sprecher. Das wäre etwa voraussichtlich bis Sommer oder Herbst 2016.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.08.2015 | 17:00 Uhr