Stand: 23.01.2017 14:20 Uhr

Inklusion: Initiative startet Unterschriftenaktion

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Die Initiative "Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen" benötigt 10.000 Unterschriften in sechs Monaten.

Die Initiative "Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen" macht ernst: Am Montag hat sie ihre Volksinitiative offiziell im Rathaus angemeldet und mit dem Unterschriftensammeln begonnen. Legt sie innerhalb von sechs Monaten mindestens 10.000 Unterschriften vor, muss sich die Hamburgische Bürgerschaft mit dem Anliegen der Initiative befassen. Sollte die Bürgerschaft die Forderungen dann dennoch ablehnen, können die Initiatoren ein Volksbegehren als zweiten Schritt hin zu einem Volksentscheid starten.

Forderungen: Mehr Personal und mehr Räume

"Uns geht es vor allem darum, dass mehr Lehrer, Pädagogen und Erzieher an die Schulen kommen", sagte Initiativensprecher Pit Katzer. Für Schüler mit Schwierigkeiten im Bereich LSE (Lernen, Sprache, emotionale Entwicklung) verlange die Initiative, dass drei Unterrichtsstunden pro Kind "auch wirklich an den Schulen ankommen". Für behinderte Kinder wiederum müsse die Personalversorgung wieder verbessert werden, nachdem mit Abschaffung der Integrationsklassen 2012 die Zuweisung um ein Drittel gekürzt worden sei. "Das wollen wir rückgängig machen", sagte Katzer. Ebenfalls macht sich die Initiative unter anderem für mehr Therapie- und Pflegeräume an den Schulen sowie für barrierefreie Gebäude und Schulhöfe stark.

Senat verweist auf gestiegene Lehrerzahlen

Laut Senat wurde die Zahl der für die Inklusion zuständigen Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher an Grund- und Stadtteilschulen sowie Gymnasien seit dem Schuljahr 2012/13 von 990 auf 1.141 im Schuljahr 2016/17 aufgestockt. Doch die Initiative argumentiert: Weil die Zahl der Schüler mit Förderbedarf stärker als erwartet gewachsen sei, komme das unterm Strich einer Kürzung gleich - verglichen mit der Ausstattung der Sonderschulen.

Was bedeutet Inklusion?

Vereinfacht gesagt bedeutet Inklusion, dass Förder- und Sonderschüler an allgemeinbildenden Schulen mit unterrichtet werden. Es ist das Schlüsselwort in der 2009 in Kraft getretenen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Inklusion bezieht sich auf die Einbeziehung von beeinträchtigten Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen - von Geburt an.

Unterstützt wird die Initiative unter anderem von der Lehrergewerkschaft GEW, vom Grundschulverband Hamburg (GSVHH), vom Verband Hamburger Schulleitungen (VHS) und von den Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft. "Unmissverständlich unterstützt die GEW bereits seit vielen Jahren in ihrer Programmatik und ihrer alltäglichen Praxis die Inklusion", erklärte Hamburgs GEW-Vize Sven Quirin. Senat und Verwaltung seien aufgefordert, die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der schulischen Inklusion in Hamburg deutlich zu erhöhen. Die FDP nannte die Initiative einen "dringenden Weckruf für den Senat". "Die Volksinitiative 'Gute Inklusion' zeigt auf, welche riesigen Probleme es in diesem Bereich gibt", erklärte die FDP-Schulexpertin Anna von Treuenfels-Frowein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.01.2017 | 14:00 Uhr

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