Stand: 27.10.2015 13:24 Uhr

Hapag-Lloyd: Hamburg muss Millionen abschreiben

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Hamburgs Anteile an Hapag-Lloyd haben deutlich an Wert verloren.

Hamburg muss beim Börsengang der Reederei Hapag-Lloyd nach Recherchen von NDR 90,3 wahrscheinlich einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben. Bislang stehen die Hapag-Lloyd-Anteile der Stadt mit mehr als einer Milliarde Euro in den Büchern. Nach der Preisspanne, zu der die Reederei Aktien platzieren will, sind die städischen Anteile aber nur noch zwischen 560 und 710 Millionen Euro wert.

Rund 24 Millionen Aktien der Traditionsreederei hat die Stadt im Laufe der vergangenen Jahre gekauft. Bereits in diesem Frühjahr musste die stadteigene Vermögensgesellschaft HGV den Wert der Anteile um 150 Millionen Euro abwerten. Der Verlust könnte jetzt aber noch viel dramatischer ausfallen: Hapag-Lloyd bietet seine Aktien beim Börsengang nur noch etwa zur Hälfte des Preises an, den die Stadt bezahlt hat. Die Spanne liegt zwischen 23 und 29 Euro. Im schlechtesten Fall sind die Reedereianteile der Stadt also sogar nur noch rund 560 Millionen Euro wert, das wäre ein Verlust von rund einer halben Milliarde Euro für Hamburg. Im besten Fall droht immer noch ein Verlust von rund 300 Millionen. Die Stadt hatte 2009 und 2011 Hapag-Lloyd-Anteile gekauft, um eine Verlagerung des Unternehmens ins Ausland zu verhindern. Kauf und Finanzierung haben Hamburg bislang rund 1,3 Milliarden Euro gekostet.

Zeichnungsfrist für Aktien verlängert

Bis zum 3. November können Anleger Hapag-Lloyd Aktien zeichnen, dann steht dann auch fest, zu welchem Preis die Reederei die Anteile abgibt. Eigentlich sollten die Aktien bereits am 30. Oktober an der Börse gehandelt werden, doch verschiebt sich nun auch dieser Termin, nachdem die Zeichnungsfrist für die Aktien überraschend verlängert wurde. Analysten rechnen mit einem eher niedrigen Wert von um die 23 Euro. Erst vor wenigen Tagen hatte Hapag-Lloyds Konkurrent Maersk eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Vor allem wegen der schwachen Nachfrage in China rechnet die Branche insgesamt mit schrumpfenden Einnahmen.

Hapag-Lloyd ist nach der Fusion mit der chilenischen Reederei CSAV mit 188 Schiffen die viertgrößte Container-Reederei der Welt. In der ersten Hälfte dieses Jahres verdiente der Konzern 157 Millionen Euro, bei einem Umsatz von rund 4,7 Milliarden Euro. Das war das beste Ergebnis seit längerer Zeit. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter, gut ein Zehntel davon in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.10.2015 | 19:00 Uhr