Stand: 26.06.2015 09:12 Uhr

Handelskammer will Hamburgs grünen Osten bebauen

von Reinhard Postelt, NDR 90,3
So könnten Billerhuder Insel und Horner Marsch nach dem Willen der Handelskammer aussehen. (Animation)

Die Handelskammer will den Hamburger Osten entlang der Bille komplett umgestalten und hat dafür am Donnerstag vom Senat 300 Hektar für den Wohnungsbau und 140 Hektar für neue Gewerbeflächen gefordert. Der 116 Seiten dicke Plan "Leben und Arbeiten entlang der Bille-Achse" ist nicht mit dem Senat abgesprochen.

Ackerflächen zu Wohnraum

Entlang der S-Bahn-Linie 21 zwischen Rothenburgsort und Bergedorf sollen nach dem Willen der Handelskammer in den kommenden 25 Jahren mehrere Großsiedlungen und Gewerbegebiete entstehen und so Wohnraum für bis zu 20.000 Menschen schaffen. Noch sind dort Wiesen, Ackerflächen und Kleingärten - Orte, wie etwa die die 40 Hektar große Billhuder Insel.

Hamburg brauche aber dringend Raum für die Entwicklung der nächsten 25 Jahre, sagte Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz. "Da ist Platz für 20.000 Menschen und 13.000 Arbeitsplätze. Alles ist sehr begrünt, ist gartenbezogenes Wohnen", so Schmidt-Trenz. Wohnsiedlungen auf den Billwerder Wiesen und dem Mittleren Landweg könnten demnach auch günstige Reihen- und Einzelhäuser für Familien schaffen.

Kritik: An den Bürgern vorbeigeplant

Der Handelskammer geht es aber vor allem um Gewerbeflächen, denn da sieht sie Not und wünscht sich 140 Hektar für neue Flächen. "Wenn wir verhindern wollen, dass Menschen und Unternehmen abwandern ins Umland, sondern dass sie hier bleiben und Steuern zahlen, dann müssen wir Angebote machen", sagte Schmidt-Trenz.

Von den Parteien gab es Kritik an dem Konzept. Hamburgs SPD-Fraktion bezeichnete es als unverantwortlich und an den Bürgern vorbei geplant. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Kienscherf sprach von schlechtem Stil, nichts mit Senat und vor allem den Bürgern abzustimmen. Der Senat wolle weder Kleingärtner vertreiben noch Grün vernichten. Im vergangenen Jahr hatte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) selbst Stadtentwicklungspläne für Hamburgs Osten vorgestellt. Die Bauexpertin der Linken, Heike Sudmann, warnte vor einer Zerstörung der Naherholungsflächen: "Das ist kein Anstoß für Hamburg, sondern ein Todesstoß für die grüne Metropole."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.06.2015 | 16:00 Uhr