Stand: 09.09.2017 08:25 Uhr

Hamburgs neues Integrationskonzept ist mutlos

von Susanne Röhse

Die Sozialbehörde hat in dieser Woche das Hamburger Integrationskonzept 2017 vorgestellt. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr zum ersten Mal die Integration geflüchteter Menschen. Bundesweit einzigartig sind konkrete Zielvorgaben. Allerdings sind diese Ziele wenig ehrgeizig, meint Susanne Röhse in ihrem Hamburg-Kommentar.

Den Erfolg von Integration soll man messen können. Konkrete Ziele geben den Behörden vor, wie viele Flüchtlinge Schulen besuchen, eine Arbeit oder eine Wohnung finden sollen. Verfehlen sie das vorgegebene Ziel, dann müssen sie darüber Rechenschaft ablegen. Das sieht das Hamburger Integrationskonzept vor und das ist gut. Denn Transparenz versachlicht die Diskussion über Einwanderung. Unklar bleibt allerdings, wie diese Ziele festgelegt wurden. Das bemängelt auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, der das Integrationskonzept des Senats begutachtet hat.

Wenig ehrgeizige Ziele

50.000 Geflüchtete sind in den vergangenen zwei Jahren nach Hamburg gekommen. Angesichts dieser vielen Menschen sind viele der formulierten Ziele zu mutlos. Beispiel Wohnen: 2018 sollen 13 Prozent der Flüchtlinge, die in einer öffentlichen Unterkunft leben, eine eigene Wohnung beziehen. Nur 13 Prozent? Es sind sich doch alle einig, dass eine Wohnung neben der Sprache und einem Arbeitsplatz eine zentrale Voraussetzung für die Integration ist. Also müssten viel mehr Geflüchtete viel schneller Wohnungen mieten können.

Beispiel Kita-Plätze für Kinder von Geflüchteten: 1.800 von ihnen sollen im nächsten Jahr eine Kita besuchen. Das sind viel zu wenig, zumal das Ziel auch nichts darüber aussagt, wie die Kita-Gruppen durchmischt sind. In der großen Unterkunft am Mittleren Landweg in Bergedorf zum Beispiel entstehen derzeit drei Kitas und dort werden die Flüchtlingskinder also erstmal unter sich bleiben.

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Integration geht jeden an.
Probleme offenlegen

Das Integrationskonzept macht allerdings auch deutlich, dass Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Sie geht jeden etwas an. Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sollte deshalb offensiver und öffentlicher über das Zusammenleben mit Flüchtlingen in der Stadt diskutieren. Denn die Integration von 50.000 Menschen in Hamburg passiert nicht einfach so und schon gar nicht nach vorher festgelegten Zahlen.

Probleme müssen offen ausgetragen und dürfen nicht unter den Tisch gekehrt werden. Auch dazu gehört Mut. Aber wo ist der Mut? Wo ist der Wille, Geflüchtete zu integrieren? Hamburgs neues Integrationskonzept bleibt einfach in den Ansätzen stecken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 09.09.2017 | 08:40 Uhr

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