Stand: 25.06.2015 19:00 Uhr

Hamburgs Hafen wächst nicht mehr so schnell

von Dietrich Lehmann, NDR 90,3
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Der Hamburger Hafen wird wohl langsamer wachsen als bisher angenommen.

Der Hamburger Hafen wird in den kommenden Jahren langsamer wachsen als bislang gedacht. Das geht aus der Studie des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik für die Hafenverwaltung HPA hervor, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Die Hauptgründe, dass der Hamburger Hafen weniger Zuwächse erwartet als noch vor anderthalb Jahren angenommen, sind demnach neue gigantische Containerterminals bei Hamburgs Konkurrenzhäfen in Rotterdam und Antwerpen sowie Verzögerungen bei der Elbvertiefung.

Nicht umgesetzte Elbvertiefung als Hemmschuh

Es sei in den nächsten Jahren mit einigen Problemen zu rechnen. So werde der Ausbau des Konkurrenzhafens Rotterdam den Wettbewerb um Ladung zunächst bis voraussichtlich 2020 verschärfen, heißt es in der Studie "Prognose des Umschlagpotenzials des Hamburger Hafens für die Jahre 2020, 2025 und 2030". Zudem könnten sich mehrere Reedereien, die derzeit regelmäßig Hamburg anliefen, künftig stärker auf Rotterdam konzentrieren, weil sie dort an Umschlagkapazitäten beteiligt sind. Hinzu komme die bislang nicht umgesetzte Elbvertiefung, was ein Anlaufen der immer häufiger genutzten Containerschiffe mit 18.000 Standardcontainern (TEU) erschwere.

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Bis 2030 dürften laut Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik auch die noch größeren 20.000-TEU-Schiffe in Fahrt kommen. Die englische Abkürzung TEU steht für "Twenty-foot Equivalent Unit" und meint die früher übliche Standardgröße von Containern, nämlich 20 mal acht mal acht Fuß. Das entspricht 6,1 mal 2,44 mal 2,44 Meter. Die heute meist verwendeten Container sind doppelt so lang.

Nach Einschätzung des Bremer Instituts dürfte das größere Aufkommen von 20.000-TEU-Schiffen dem Hamburger Hafen aber kaum Probleme bereiten. Denn die Reeder werden dennoch auch kleinere Schiffe bis 14.000 TEU behalten, "um sich nicht von einigen wenigen Häfen abhängig zu machen", hieß es.

Kein Wachstumspotenzial bei Stückgut

Während der Umschlag von Containern laut der vorgelegten Studie in Hamburg noch weiter zulegen wird, gebe es bei Stückgut wie etwa bei Maschinen und Früchten sowie bei Kohle, Öl und Getreide kaum noch Wachstumspotential. Hamburgs parteiloser Wirtschaftssenator Frank Horch sieht dennoch keinen Anlass, die stehende Planung für den Hafenausbau zu überprüfen.

Kritik von FDP und NABU

Nach der abgeschwächten Prognose kritisierten Umweltschützer und die FDP den Senat. Jetzt zeige sich, dass besonders die mangelhafte Planung zur Elbvertiefung langfristig negativ sei, so der wirtschaftspolitische Sprecher der Liberalen, Michael Kruse. NABU-Chef Alexander Porschke nannte es unseriös, das geringere Wachstum beim Umschlag auf die Verzögerungen bei der Elbvertiefung zu schieben. Die eigentliche Belastung für den Hafen sehen die Umweltschützer in den Sanktionen gegen Russland, wie NDR 90,3 berichtete.

Umfrage: Hamburg bester europäischer Hafen

Der Hamburger Hafen ist unterdessen als bester europäischer Hafen ausgezeichnet worden. Bei einer Umfrage unter Managern vor allem in Asien hat sich Hamburg damit gegen die Konkurrenz in Rotterdam und Le Havre durchgesetzt, wie NDR 90,3 am Donnerstag berichtete. Als bestes Terminal in Europa wurde Eurogate in Hamburg-Waltershof ausgezeichnet - unter anderem wegen der schnellen Abfertigung der Schiffe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.06.2015 | 19:00 Uhr