Stand: 10.10.2015 13:15 Uhr

Hamburgs Gefängnis-Insel steht vor dem Aus

Hamburgs Gefängnis-Insel Hahnöfersand steht nach über 100 Jahren endgültig vor dem Aus. Der Umzug der inhaftierten Frauen ist längst beschlossene Sache und der personalintensive Jugendstrafvollzug soll nun folgen. Die Jugendlichen sind derzeit in einem sehr alten Gebäudeteil auf der Elbinsel untergebracht. "Wir müssten einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, um das Gebäude wieder einigermaßen herzustellen", sagte die Sprecherin der Hamburger Justizbehörde, Marion Klabunde, dem Hamburg Journal. Und selbst dann wären ständig weitere Sanierungen nötig, um das Gebäude instand zu halten.

Schwierige Personalplanung

Der isolierte Standort auf der Insel verhindere laut Klabunde außerdem einen optimalen Einsatz der Justizbeamten und die Häftlingszahlen seien auch rückläufig. Schon jetzt sind hier viele Zellen nicht belegt. Hahnöfersand sei ohnehin ein kleines Gefängnis und "wenn die Frauen erst mal dort weg sind, wird die ganze Einheit noch kleiner, was die Personalplanung noch schwieriger macht", sagte Klabunde. Es sei leichter etwa auf Krankheitsfälle zu reagieren, wenn möglichst viele Vollzugsbeamte an einem Ort statt an mehreren kleinen Standorten sind.

Austausch mit Schleswig-Holstein möglich

In Hamburgs größtem und modernstem Gefängnis in Billwerder stehen viele Hafträume leer. Hierhin werden die Frauen aus Hahnöfersand umziehen. Derzeit wird in Billwerder aber noch ein Teil des Gefängnisses umgebaut, der dann komplett von den Männern getrennt sein wird. Hier könnten auch weibliche Gefangene aus dem Gefängnis Lauerhof in Lübeck unterkommen, wo die einzige Frauenabteilung des Bundeslandes geschlossen wird. Derzeit verhandelt Schleswig-Holsteins Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) darüber mit Hamburg.

Im Gegenzug könnte Hamburg seine jugendlichen Häftlinge im Jugendgefängnis Neumünster unterbringen. Noch ist das aber nicht entschieden, die Gespräche zwischen den beiden Ländern laufen. Klar ist nur, dass der Hamburger Senat das Gefängnis auf Hahnöfersand bis 2018 komplett schließen will.

Lange Gefängnis-Geschichte

Die kleine Elbinsel Hahnöfersand bei Jork in Niedersachsen war 1911 an Hamburgs Gefängnisverwaltung übergeben worden, zwei Jahre später wurden die ersten Häftlinge hergebracht. Die ersten jugendlichen Straftäter kamen 1920 auf die Insel.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.10.2015 | 19:30 Uhr