Stand: 02.11.2017 20:07 Uhr

Hamburgs Fernwärme: In acht Jahren ohne Kohle

Das Hamburger Fernwärmenetz soll bis 2025 vollständig ohne den Energieträger Kohle auskommen und überwiegend aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) präsentierte am Donnerstag ein Bündel verschiedener Maßnahmen, mit denen das überalterte Kraftwerk Wedel in Schleswig-Holstein ersetzt werden soll. Es soll nunmehr in fünf Jahren vom Netz gehen.

Energie aus Abfall, Abwasser und Abwärme

Um das Fernwärmenetz weiterhin mit Energie zu versorgen, will die Stadt unter anderem industrielle Abwärme aus großen Industriebetrieben südlich der Elbe nutzen sowie Energie aus Abfall und Abwasser. Zudem ist ein großer unterirdischer Energiespeicher geplant. Heute stammt die Wärme für Hamburger Wohnungen noch zu 60 Prozent aus Kohle und nur zu 14 Prozent aus erneuerbaren Energien. Künftig soll die Wärme zu Zweidritteln aus Öko-Quellen kommen.

Laut Kerstan nur geringe Preissteigerungen

Die notwendigen Investitionen für dem Umstieg bezifferte Kerstan auf ungefähr 600 Millionen Euro, wobei noch Einzelheiten zu klären seien. Für die rechnerisch rund 500.000 Haushalte im Hamburger Fernwärmenetz seien durch die Umstellung keine außerordentlichen Preissteigerungen zu erwarten.

Kraftwerk Tiefstack soll auf Erdgas umstellen

Das zweite große Kraftwerk Tiefstack, das den Hamburger Osten weitgehend mit Fernwärme versorgt, soll 2025 von Kohle auf Erdgas umgestellt werden. Am Ende würden so rund 600.000 Tonnen CO2 eingespart, das wären fast zwei Drittel des heutigen Ausstoßes.

Wasserspeicher seit Sommer im Test

Als Alternative zum Kohlekraftwerk Wedel hat Hamburg seit dem Sommer unter anderem einen unterirdischen Wasserspeicher auf dem Gelände der Kläranlage Dradenau getestet. Für Kerstan könnte dieser sogenannte Aquiferspeicher, der erhitztes salzhaltiges Grundwasser in tieferen Bodenschichten (Grundwasserleitern) wie in einer großen Blase speichert, einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leisten.

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Aufatmen bei Nachbarn des Kraftwerks in Wedel

Die Bürgerinitiative, die seit Jahren gegen das des alten Kohlekraftwerks in Wedel kämpft, freut sich über die Nachricht. Sie mahnt aber auch: Bis es soweit sei, müsse das Kraftwerk sauber und störungsfrei laufen und dürfe nicht wie bislang Autos und Wintergärten mit Rußpartikeln verdrecken.

Kritik von CDU und FDP

Die Linke begrüßt die angekündigte Wärmewende, bezweifelt aber, dass die Umweltbehörde sie gegenüber Vattenfall durchsetzen kann. Auch der BUND findet die Wärmewende "absolut richtig". Allerdings wünscht er sich, dass schwarz auf weiß festgehalten werde, dass das Kraftwerk in Moorburg nicht doch noch ans Fernwärmenetz angeschlossen wird. Genau das fordern nämlich CDU und FDP. Denn ein Kraftwerk, das noch über Jahrzehnte am Netz sei und seine Wärmeerzeugung nicht nutzen dürfe, sei energiepolitischer Unfug, meint der CDU-Umweltpolitiker Stephan Gamm.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.11.2017 | 16:00 Uhr

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