Stand: 15.09.2015 08:00 Uhr

Müssen Flüchtlinge doch in Zelten überwintern?

In Hamburg müssen nun offenbar doch Flüchtlinge auch im Winter in Zelten untergebracht werden. Bislang wollte der Senat dies unbedingt vermeiden - nun könne man das nicht mehr ausschließen, sagte ein Sprecher der Innenbehörde NDR 90,3. Deshalb habe man vorsorglich damit begonnen, auch die einfachen Zelte winterfest zu machen. Unter anderem seien Heizgeräte bestellt worden, so der Sprecher weiter. Die Bundeswehrzelte sind bereits so ausgestattet.

Hintergrund dieser neuen Entwicklung seien die dramatisch gestiegenen Zahlen von Flüchtlingen in Deutschland - und damit auch in Hamburg. In der vergangenen Woche seien es täglich zwischen 350 bis 600 Menschen in der Hansestadt gewesen. Alle bisherigen Planungen wurden damit über den Haufen geworfen. Derzeit leben in Hamburg rund 2.000 Flüchtlinge in Zelten.

Kasernen für Hunderte Flüchtlinge

Bei der Unterbringung neu angekommener Flüchtlinge nimmt Hamburg unterdessen erneut Hilfe von der Bundeswehr in Anspruch. Mehrere Hundert Asylbewerber könnten in Kasernen im Stadtteil Osdorf, in Iserbrook und Steinwerder unterkommen, teilte die Innenbehörde am Montag mit.

Iserbrook: 75 Flüchtlinge am Wochenende eingezogen

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Mit Schildern den Ansturm organisieren: Helfer empfangen die Flüchtlinge am Hauptbahnhof.

Wie NDR 90,3 berichtete, zogen schon am Wochenende 75 Flüchtlinge in die noch von der Bundeswehr genutzte Reichspräsident-Ebert-Kaserne in Iserbrook ein. Das Gebäude wurde durch einen Zaun vom Rest der Kaserne getrennt und mit Betten ausgestattet. Dann sei es an die Stadt übergeben worden, erklärte ein Bundeswehr-Sprecher. Eine zweite Unterkunft in einer Sporthalle der Kasernenanlage in Steinwerder habe zudem das Rote Kreuz übernommen. Und auch in der Sporthalle der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne in Osdorf würden Schlafplätze für Flüchtlinge geschaffen.

Viele Helfer am Hauptbahnhof

Helfer betreuten in den vergangenen Tagen in der Wandelhalle im Hauptbahnhof zahlreiche Menschen. Einige übernachteten dort auch, wie Freiwillige berichteten. Am Sonntag wurden sie auf verschiedene Züge etwa nach Lübeck, Kiel oder Rostock verteilt. Die Ehrenamtlichen hielten dafür Schilder mit den Namen der Bahnhöfe hoch und brachten die Migranten dann zu den Zügen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 15.09.2015 | 08:00 Uhr