Stand: 17.08.2015 13:02 Uhr

Hamburger Hafen schlägt weniger Container um

Der Hamburger Hafen hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Einbruch beim Containerumschlag erlitten. Mit 4,5 Millionen Standardcontainern gingen 6,8 Prozent weniger Boxen über die Kaikanten als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie die Marketinggesellschaft des Hafens am Montag mitteilte. Ursachen waren starke Rückgänge im Handel mit China (minus 10,9 Prozent) und Russland (minus 35,9 Prozent).

Schwierigkeiten im Handel mit China und Russland

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Im Handel mit Russland und China verbucht der Hamburger Hafen einen deutlichen Rückgang.

China ist mit Abstand der größte Handelspartner des Hafens. "Der gesamte Außenhandel Chinas ist im ersten Halbjahr um 6,9 Prozent geschrumpft", sagte Vorstand Axel Mattern. Diese Entwicklung werde besonders durch den teuren Yuan geprägt. Das verteuert für europäische Importeure die Einfuhr chinesischer Waren. Mittlerweile arbeitet die chinesische Regierung an der Abwertung ihrer Währung, doch das schlug sich noch nicht im Handelsvolumen nieder. Im Containerverkehr mit Russland wirkten sich nicht nur die Handelssanktionen wegen der Ukraine-Krise aus, sondern auch die wirtschaftliche Rezession. "Die Konsum- und Investitionsbereitschaft in Russland lassen deutlich nach", sagte Vorstand Ingo Egloff.

Erwartungen nach unten korrigiert

Für das Gesamtjahr rechnet die Marketingorganisation des Hafens damit, dass nur neun Millionen Standardcontainer nach Hamburg geliefert, beziehungsweise von dort verschifft werden. Das wären gut sieben Prozent weniger als im vergangenen Jahr, als an den Terminals von Logistikunternehmen wie der HHLA, Eurogate und Buss 9,7 Millionen Stahlboxen bewegt wurden. Im Februar hatten die Hafenmanager noch darauf gehofft, in diesem Jahr die Rekordmarke von zehn Millionen Containern knacken zu können.

Rückgang im Feederverkehr, mehr Container auf der Schiene

Der rückläufige China-Handel wirkt sich in Hamburg besonders aus, weil viele Container aus Asien auf kleinere Schiffe verladen und in den Ostseeraum transportiert werden. Diese Rückgänge hätten nicht durch die erfreuliche Entwicklung der landseitigen Verkehre ausgeglichen werden können, die um 2,3 Prozent auf den neuen Rekordwert von 2,9 Millionen Container zulegten. Der Containertransport auf der Schiene kletterte um 6,4 Prozent auf 1,2 Millionen.

Zuwachs bei Massengütern

Während der Containerverkehr schwächelte, legte der Umschlag von Massengütern vor allem dank höherer Importe von Kohle und Erz in den ersten sechs Monaten kräftig um 12,3 Prozent zu. Deshalb verringerte sich der gesamte Seegüterumschlag in Hamburg nur um 2,5 Prozent auf 70,8 Millionen Tonnen. Für das Gesamtjahr rechnet der Hafen nun mit 141 Millionen Tonnen, nach 146 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Trend zu größeren Schiffen

Weiter anhaltend sei der Trend zu Großschiffen, erklärten die Vorstände der Hafen Hamburg Marketing. Mehr als 300 kamen allein im ersten Halbjahr nach Hamburg. Das unterstreiche die Notwendigkeit der geplanten Elbvertiefung, weil die Schiffe dann bis zu 1.800 beladene Container zusätzlich transportieren könnten. "Wir befinden uns in einem intensiven Wettbewerb mit Großhäfen wie Rotterdam und Antwerpen", sagte Mattern. In diesem Wettbewerb mit den anderen nordeuropäischen Häfen verliert Hamburg zurzeit Marktanteile. Während die Hansestadt Einbußen hinnehmen muss, legen die Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen zu.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.08.2015 | 13:00 Uhr