Stand: 28.09.2017 13:52 Uhr

Hamburg ist die deutsche Raser-Metropole

Im Vergleich der deutschen Millionenstädte schneiden die Hamburger Autofahrer schlecht ab: Laut einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft werden Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Hansestadt weniger beachtet als in München, Köln und Berlin.

18 Prozent lagen bei Tempo 50 drüber

Unfallforscher hatten für die Studie zwischen März und Juni das Tempo von rund 513.000 Autos anonym gemessen. Ihr Ergebnis: Auf Tempo-50-Straßen waren 18 Prozent der Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Bei ähnlichen Messungen in den Vorjahren waren in München nur 16 Prozent zu schnell, in Köln es zwölf und in Berlin lediglich fünf Prozent.

Mehr als die Hälfte missachtete Tempo 30

Auf Tempo-30-Straßen hielten sich 54 Prozent der Hamburger Autofahrer nicht an das Limit. In München waren es 44 Prozent, in Köln 27 und in Berlin 18 Prozent. "Damit haben die Hamburger auf Tempo-30-Strecken mit Abstand die schlechteste Geschwindigkeitsmoral", sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, am Donnerstag.

Bei den "Extrem-Rasern" liegt Köln vorn

Bild vergrößern
Auf Tempo-50-Straßen waren 18 Prozent der Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. (Archivfoto)

In Köln gebe es zwar mehr "Extrem-Raser", die auf Tempo-50-Straßen mit mehr als 80 Stundenkilometer unterwegs seien. Doch Hamburg sei noch vor München die "Zu-schnell-fahr-Hauptstadt" Deutschlands.

Nachts wird noch mehr gerast

Gemessen wurde in Hamburg an 43 Straßen, und zwar jeweils 24 Stunden an Werktagen. Dabei zeigte sich, dass nachts mehr Autofahrer zu schnell fahren als tagsüber. Auf Tempo-50-Straßen wurden am Tage fünf Prozent der Fahrzeuge mit mehr als 60 Stundenkilometer geblitzt - in der Nacht waren es 22 Prozent. Wagen, die allein unterwegs waren, seien tendenziell schneller unterwegs gewesen als Autos im Verkehrsfluss.

Die Unfallforscher kommen zu dem Schluss: Hätten Behörden die Messungen vorgenommen, wären für die Temposünder insgesamt knapp zwei Millionen Euro Bußgeld fällig gewesen - plus rund 2.500 Punkte in Flensburg und 467 Monate Fahrverbot. Der Versichererverband forderte mehr Kontrollen und höhere Bußgelder.

ADAC kam zu ähnlichen Ergebnissen

Laut ADAC Hansa sind die Ergebnisse der Studie nachvollziehbar. Bei einer eigenen Tempomessung vor Hamburger Grundschulen mit Tempo-30-Beschränkung sei Anfang des Jahres eine Verstoßquote von 53 Prozent festgestellt worden, sagte ADAC-Sprecher Christian Hieff. Allerdings schwanke diese Quote zwischen vier und 60 Prozent, je nach baulichen Gegebenheiten. An Gefahrenstellen oder vor Kitas befürwortet der Autoclub das Aufstellen stationärer Blitzer mit Ankündigung. Die Bußgelder seien allerdings schon hoch genug.

Weitere Informationen

Autofahrer ignorieren Tempolimit vor Schulen

Jeder dritte Autofahrer fährt in Hamburg vor Schulen deutlich zu schnell. Das ist das Ergebnis von umfangreichen Geschwindigkeitskontrollen des ADAC Hansa. (13.02.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.09.2017 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

04:31

Vor 50 Jahren: "Banklady" wird verhaftet

10.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:09

Kostenloser Fahrrad-Parkplatz für Groß-Events

10.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:58

Wohngruppen: Neues Zuhause ohne die Eltern

10.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal