Stand: 12.09.2015 12:11 Uhr

"Hamburg bekennt Farbe" gegen rechts

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Tausende Menschen demonstrierten auf dem Rathausmarkt gegen Fremdenfeindlichkeit.

Das Bündnis "Hamburg bekennt Farbe" hat aus Protest gegen die ursprünglich geplante Demonstration Rechtsextremer zu einer Kundgebung für Demokratie, Toleranz und Vielfalt auf dem Rathausmarkt aufgerufen. Das Motto lautete: "Wir stehen für eine Stadt, die von ihrer Vielfalt und ihrer Weltoffenheit lebt." Als Redner sprach unter anderem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zu Tausenden Hamburgern. Die Veranstaltung fand statt, obwohl nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes von Freitagabend das Verbot des Neonazi-Aufmarsches bestehen geblieben ist.

Bundesverfassungsgericht lehnt Eil-Antrag ab

Rechtsextreme hatten geplant, heute in Hamburg unter dem Motto "Tag der deutschen Patrioten" auf die Straße zu gehen. Bereits vor einigen Tagen hatte die Polizei ihre Demo verboten, weil sie schwere Ausschreitungen befürchtete. Es seien nicht genügend Polizeikräfte verfügbar, so die Begründung. Die Polizei ging von bis zu 3.000 Teilnehmern der rechtsextremen Demo und rund 15.000 Gegendemonstranten aus. Das Verwaltungsgericht lehnte eine Beschwerde des Anmelders der Versammlung gegen das Verbot ebenso ab wie am Freitag das Oberverwaltungsgericht. Der Anmelder wandte sich danach an das Bundesverfassungsgericht, das diese Entscheidung in einem Eilverfahren überprüfte. Am späten Freitagabend kam dann die Entscheidung aus Karlsruhe: Die Neonazi-Demo bleibt verboten.

Zeichen für friedliches Miteinander

Bereits 2012 demonstrierten nach einem Aufruf des Bündnisses mehr als 10.000 Hamburger gegen den von Rechtsextremen organisierten "Tag der Deutschen Zukunft". Derzeit kämen täglich neue Menschen auf der Suche nach Frieden und einer persönlichen Perspektive nach Hamburg. Das Bündnis appelliere gerade deshalb an die Bürger, "ein Zeichen für das gemeinsame, friedliche Miteinander zu setzen". Dem Bündnis gehören unter anderem Vertreter von Bürgerschaft und Senat, Handels- und Handwerkskammer, des Sports, von Gewerkschaften, Kirchen, Religionsgemeinschaften und Migrantenorganisationen an.

"Bündnis gegen Rechts" macht ebenfalls mobil

Auch das "Hamburger Bündnis gegen Rechts" hatte für den Vormittag einer Demonstration auf dem Hachmannplatz am Hauptbahnhof aufgerufen. Das Bündnis, in dem sich rund 630 Verbände, Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen haben, waren im Vofeld von mehreren Tausend Teilnehmern ausgegangen. Neben zahlreichen linken Gruppen und Gewerkschaften rief auch der FC St. Pauli zu der Demonstration auf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.09.2015 | 13:00 Uhr