Stand: 06.10.2015 16:02 Uhr

Hamburg baut Sozialwohnungen für Flüchtlinge

Der Hamburger Senat hat am Dienstag ein Konzept zum Bau von Tausenden zusätzlichen Sozialwohnungen beschlossen, in denen zunächst nur Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Die sieben Hamburger Bezirke wurden gebeten, Flächen mit einer Größe von acht Hektar zu nennen, auf denen der Bau von jeweils bis zu 800 Wohneinheiten möglich ist. Die Unterkünfte sollen schnell hochgezogen werden und bis Weihnachten 2016 bezugsfertig sein.

Gemeldete Flächen werden geprüft

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) sagte: "Wir wollen Flüchtlingen mit Bleibeperspektive eine gute Unterbringung und schnelle Integration ermöglichen. Deswegen haben wir dieses einmalige Programm aufgelegt, mit dem bis Weihnachten 2016 mehrere Tausend Wohnungen in Hamburg entstehen werden. Es freut mich sehr, dass die Bezirke dies möglich machen und uns bereits eine große Zahl an Flächen gemeldet haben.“ Die gemeldeten Flächen werden noch geprüft, zum Beispiel am Mittleren Landweg, am Krankenhaus Rissen, am Duvenacker in Eidelstedt, an der Holsteiner Chaussee und in Öjendorf, wie NDR 90,3 berichtete. Bauen sollen die Unterkünfte Genossenschaften und private Unternehmen, die Wohnungen langfristig halten. 15 Jahre lang mietet sie die Stadt dann für Flüchtlinge. Stapelfeldt betonte, die Expressbauten würden ohne Abstriche am aktuellen Baustandard errichtet - mit eigenen Bädern und Küchen.

Platz für bis zu 28.000 Flüchtlinge

Vorgesehen sind zwei Nutzungsphasen: Die Wohnungen werden zunächst als Flüchtlingsunterkünfte genutzt und mit deutlich mehr Menschen belegt als in regulären Wohnungen üblich. So sind bei bis zu 800 Wohnungen je Fläche und einer sehr engen Belegung mit durchschnittlich mindestens fünf Personen pro Wohnung für die Dauer der öffentlich-rechtlichen Unterbringung jeweils etwa 4.000 Flüchtlingsplätze möglich. Insgesamt könnten so bis zu 28.000 Flüchtlinge unterkommen.

Nach 15 Jahren sollen die Unterkünfte dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen

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Bis zu 600 Flüchtlinge kommen derzeit täglich nach Hamburg. Der Senat braucht dringend zusätzliche Unterkünfte.

Der städtische Betreiber fördern & wohnen wird mit dem Eigentümer einen Pacht- oder Generalmietvertrag für einen Zeitraum von 15 Jahren abschließen und die errichteten Wohngebäude als öffentliche Unterkunft selbständig betreiben. Nach Ablauf der 15 Jahre stehen die Wohnungen dauerhaft dem Wohnungsmarkt zur Verfügung. Ab diesem Zeitpunkt können jeweils etwa 2.000 Menschen in den Quartieren wohnen.

Bahrenfeld: Schutzzelte nur für Frauen

In einem großen Hamburger Flüchtlingslager sollen derweil vier Schutzzelte nur für Frauen aufgestellt werden. Die vier sogenannten Domo-Zelte seien auf eine private Initiative hin mit Spendengeldern gekauft worden, sagte eine Sprecherin von fördern & wohnen am Dienstag. Sie sollen Flüchtlingsfrauen in der Zentralen Erstaufnahme im Stadtteil Bahrenfeld zum Beispiel Gelegenheit bieten, unbeobachtet von Männern ihr Kopftuch abzulegen oder ihre Babys zu stillen. Die kuppelförmigen Zelte sollen noch in dieser Woche geliefert und aufgebaut werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.10.2015 | 16:00 Uhr

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