Stand: 03.03.2016 17:55 Uhr

Großstadt als Artengrab und Arche Noah

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Auch braunfleckige Perlmutterfalter bekommen Hamburger immer seltener zu sehen: Die Hälfte der Schmetterlingsarten ist in den letzten Jahren ausgestorben.

Was die Autofahrer freut, verbittert die Naturschützer des Hamburger NABU: Die Zeiten, in denen man nach einer Fahrt über die Autobahn erst einmal die Insekten von der Windschutzscheibe kratzen musste, sind vorbei. Allein die Hälfte aller Schmetterlingsarten ist in Hamburg ist inzwischen ausgestorben, so der Chef des Hamburger Naturschutzbundes, Alexander Porschke. In Deutschland finde derzeit ein massives Artensterben statt, so Porschke am Tag des Artenschutzes. Intensive Landwirtschaft und das Zubetonieren von Flächen sind der Grund, warum in Hamburg immer mehr Tierarten vom Aussterben bedroht sind.

Die Hälfte aller Kiebitz-Brutpaare verschwunden

Neben den Insektenarten betrifft der Rückgang nach Angaben des NABU vor allem die Vögel. Viele Arten, die früher in der Stadt weit verbreitet waren, sehen die Hamburger heute nur noch selten. Kiebitze seien auf offene, feuchte Wiesen angewiesen, so Porschke. Die aber würden zunehmend ein Opfer der Landwirtschaft. Die Folge: Von einst 650 Kiebitz-Brutpaaren zählte der Nabu bei der letzten Zählung nur noch rund 300.

Großstadt: Artengrab und Arche Noah zugleich

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Mag offene, feuchte Wiesen - doch intensive Landwirtschaft macht diese Lebensräume für den Kiebitz zunehmend rar.

Optimistisch stimmt die Tierschützer den Erfolg von Schutzmaßnahmen. Sobald etwas für bessere Lebensbedingungen getan werde, nehme die Zahl der Vögel wieder zu. Die Seeadler- oder Kranichbestände hätten sich positiv entwickelt. Für diese Vögel seien viele Artenschutzmaßnahmen ergriffen worden. Paradoxerweise sei die Großstadt Hamburg für viele Vogelarten so etwas wie eine Arche. Parks, Grünflächen und vor allem die Vier- und Marschlanden böten ihnen häufig bessere Lebensbedingungen als die intensiv bewirtschafteten Wiesen und Felder im Umland.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.03.2016 | 17:00 Uhr