Stand: 12.09.2017 21:17 Uhr

Hamburg plant neuen Stadtteil im Hafen

Im Hamburger Hafengebiet entsteht ein neuer Stadtteil. Der Kleine Grasbrook wird nun doch bebaut. Auf der Elbinsel, wo ursprünglich ein Olympisches Dorf geplant war, sollen in Zukunft Wohnungen und Büros stehen. Geplant sind auf einer Fläche von rund 46 Hektar etwa 3.000 Wohnungen sowie Büros, Gewerberäume und Produktionsstätten für rund 16.000 Beschäftigte. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte am Dienstag, nach langen vertraulichen Verhandlungen mit Hafenwirtschaft und Behörden hätten sich alle Beteiligten geeinigt. Dies war nach dem Aus für die Olympia-Bewerbung Ende 2015 kaum mehr für möglich gehalten worden.

Vermutlich in 20 Jahren fertig

Der neue Stadtteil "Grasbrook" gegenüber der östlichen Hafencity soll zudem die Stadtteile Veddel und Wilhelmsburg einbinden - und so der Sprung über die Elbe gelingen. Wie die Bebauung der drei Quartiere "Moldauhafen", "Freihafen" und "Hafentor" im Detail aussehen soll, sei noch offen und Teil eines demokratischen Beteiligungsprozesses, sagte Scholz. Die Bruttogeschossfläche der angedachten Gebäude habe eine Fläche von rund 880.000 Quadratmetern, was in etwa einem Drittel der Hafencity entspreche. Für das gesamte Quartier rechne er mit einer Entwicklungszeit von rund 20 Jahren. Der Chef der mit der Entwicklung betrauten städtischen HafenCity Hamburg GmbH, Jürgen Bruns-Berentelg, sagte, er erwarte den ersten Spatenstich in frühestens fünf Jahren.

Scholz: "Ein großer Tag für Hamburg"

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Bürgermeister Scholz sprach von einem "großen Sprung" für die Stadt.

"Das ist ein sehr großer Tag für Hamburg", sagte Scholz. "Ich glaube, dass wir unsere Stadt mit einem großen Sprung voranbringen." Nach dem Scheitern der Hamburger Olympia-Bewerbung hatten Behörden und Stadtplaner ihre Überlegungen weiterentwickelt. "All die Energie ist nicht vergeblich gewesen", sagte Scholz. Anders als bei den Olympia-Planungen bleibe der größere Teil des Kleinen Grasbrook mit rund 53 Hektar der Hafennutzung vorbehalten. Der Hafenbetrieb Unikai am Ende des Grasbrooks darf dauerhaft bleiben. Und die Tschechische Republik tauscht ihren dortigen Moldauhafen gegen eine Fläche in Kuhwerder.

Lob von der Hafenwirtschaft

Die Hafenwirtschaft gab ihren anfänglichen Widerstand auf. Der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, Gunther Bonz, lobte: "Wo gibt es das sonst in einem Hafen? Auf dem Kleinen Grasbrook wohnen und auf dem Großen Grasbrook arbeiten." Besser könne man beides in der Stadtentwicklung nicht vereinbaren. "Ich bin sehr froh, dass wir im Einvernehmen mit der Hafenwirtschaft einen neuen Stadtteil entwickeln können, wo die Hafennutzung weniger Sinn macht als an vielen anderen Stellen der Stadt", erklärte Scholz.

Große Pläne für den Kleinen Grasbrook

Kosten noch unklar

Ursprünglich hatte es nach dem Aus für die Olympia-Bewerbung geheißen, dass eine Bebauung des Kleinen Grasbrook auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sei. Zum einen hatte die Hafenwirtschaft einer Verlagerung ihrer Betriebe nur im Fall einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung zugestimmt, zum anderen sei das Projekt nur mithilfe des Bundes zu stemmen gewesen. Dass es jetzt dennoch möglich sei, liege unter anderem daran, dass anders als im Fall Olympischer Spiele keine teuren zusätzlichen Brücken mehr nötig seien und auch die Verlängerung der U-Bahn nicht mehr an das Datum 2024 gebunden sei, sagte Scholz. Aktuell gebe es keine Kostenschätzungen. Ziel sei jedoch, dass sich das Projekt wie die Hafencity durch den Grundstücksverkauf in etwa trägt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.09.2017 | 17:00 Uhr

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