Stand: 29.09.2017 17:12 Uhr

G20-Prozess: Erstmals kein schnelles Urteil

Bei den bisher elf Prozessen nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg gab es schnelle Urteile, der zwölfte ist anders: Wegen eines Befangenheitsantrages der Verteidigung ist am Freitag das Verfahren gegen einen 27-jährigen Franzosen vertagt worden.

Verteidiger setzen auf Konfrontation

Dafür verantwortlich ist die offensive Taktik seiner Anwälte: Sie bombadierten das Gericht mit so vielen Anträgen, dass es nicht mehr zur Verhandlung kam. Der Prozess wurde ausgesetzt. Die beiden Verteidiger bemängelten, dass die Richterin sie vor Beginn der Hauptverhandlung nicht über den Eingang zweier wichtiger Akten informiert hatte. In dem einen Schreiben hatte die Polizei mitgeteilt, dass der Angeklagte auf den vorgelegten Videoaufzeichnungen nicht zu sehen sei. In dem anderen hieß es, dass einem verdeckt eingesetzten Beamten nur eine eingeschränkte Aussageerlaubnis als Zeuge erteilt werde.

Glasflasche von hinten auf Polizisten geworfen?

Dem 27-Jährigen wird vorgeworfen, in der Nacht zum 7. Juli im Schanzenviertel eine Glasflasche aus kurzer Distanz und mit großer Kraft auf den Nacken eines Polizisten geworfen zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geriet der Beamte ins Taumeln und fiel gegen einen vor ihm laufenden Kollegen. Die Anklage lautet auf versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Im November soll es weiter gehen

Der 27-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Eine Haftprüfung habe die Richterin unter Hinweis auf den Befangenheitsantrag abgelehnt, sagte der Gerichtssprecher. Vorsorglich vereinbarte sie jedoch einen neuen Prozesstermin für den 3. November.

Es ist der zwölfte Prozess im Zusammenhang mit den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel am 7. und 8. Juli. Nachdem der erste mutmaßliche G20-Randalierer Ende August zu einer überraschend hohen Gefängnisstrafe verurteilt worden war, hatten sich alle anderen reuig gezeigt und gestanden, Flaschen auf Polizisten geworfen zu haben. Damit scheint es vorerst vorbei zu sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.09.2017 | 15:00 Uhr

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