Stand: 06.07.2017 18:00 Uhr

G20-Alternative: Verbände rufen zum Handeln auf

Unmittelbar vor dem Start des G20-Gipfels in Hamburg haben am Donnerstag Vertreter von 75 Initiativen mehr Engagement für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung durch die wirtschaftlich führenden Nationen gefordert. Nach Angaben der Veranstalter trafen sich rund 2.000 Menschen aus 20 Ländern in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel zu dem zweitägigen Kongress mit dem Titel "Gipfel der globalen Solidarität". Die Experten forderten die Einhaltung und Umsetzung von bereits getroffenen Abkommen wie dem Pariser Klimaschutzabkommen und der Agenda 2030.

Globale Investoren in der Kritik

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Vandana Shiva hat beim alternativen Gipfel auf Kampnagel die Eröffnungsrede gehalten.

Im Verlauf der Tagung hatten Teilnehmer auch global agierende Investoren für ihr Verhalten kritisiert. Ausländische Groß-Investoren zerstörten beispielsweise im afrikanischen Tansania durch aggressive Landkäufe die regionale Landwirtschaft, schilderte ein Vertreter des dortigen Bauernverbandes. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte von den Staats- und Regierungschefs ehrgeizige Schritte für einen Umbau der Wirtschaft. "Die G20 haben die Verantwortung und die Chance, diesen Umbau heute voranzubringen und dadurch die Rechte der Schwächsten zu schützen", sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan am Donnerstag beim Alternativgipfel der Kritiker in der Kulturfabrik Kampnagel.

"Nirgends trifft das mehr zu als in Deutschland", betonte sie. Es könne Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht alleine um erneuerbare Energien und gute Klimapolitik gehen, es müsse ihr auch um globale Gerechtigkeit gehen. "Dabei führt kein Weg vorbei an einem sozial abgefederten und gut geplanten Kohlausstieg bis zum Jahr 2030", so Morgan.

Scharfe Kritik an G20-Gruppe

Aus Sicht vieler Teilnehmer kann die Politik der G20 die großen Probleme der Welt wie Klimawandel, Kriege und Hunger nicht lösen. Im Gegenteil: "Ich sehe die G20 selbst als Sherpas", sagte die indische Globalisierungskritikerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, am Mittwoch in der Eröffnungsrede. Damit spielte sie auf die "Sherpas" genannten hohen Regierungsbeamten an, die den Weg zum Gipfel für die Staatsführer vorbereiten. "Sie sind die Sherpas der globalen Finanzwirtschaft", sagte Shiva und beklagte eine "Wirtschaft der Gier". Der Begriff "Sherpa" leitet sich von dem gleichnamigen Volk ab, aus dem sich viele Bergführer im Himalaya-Gebiet rekrutieren. Im Vorwege der Tagung waren die Politiker des G20 als "Kofferträgern des internationalen Kapitals" bezeichnet worden.

Vorwurf: G20 verschärfen Probleme

Organisiert wurde der "Gipfel der globalen Solidarität" von einem Bündnis aus rund 75 Initiativen - unter anderem mehrere Delegationen des Flüchtlingsrats sowie der Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung. Zu den weiteren Teilnehmern gehörten die Naturschutzorganisation Robin Wood und die Interventionistische Linke.

Ein Gebäude des Theaters Kampnagel.

Vor G20: Der Alternativgipfel auf Kampnagel

NDR 90,3 - Treffpunkt Hamburg -

Mit G20 kommen auch Proteste nach Hamburg. Bringen Veranstaltungen wie der Alternativgipfel auf Kampnagel etwas? NDR 90,3 hat mit Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar gesprochen.

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Achim Heier vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac erwartete vor dem Start des Gipfels kontroverse Debatten, da die Überzeugungen und Forderungen sehr unterschiedlich seien. Zusammengefunden habe man sich in der Überzeugung, dass die G20 die globalen Krisen dieser Welt nicht lösen, sondern in vielen Punkten eher verschärfen, so Heier.

Lange Liste mit Vorwürfen

Die Liste der Vorwürfe der Organisatoren des alternativen Gipfels an die G20 ist lang. "Wirtschaftswachstum ist der G20 wichtiger, als die globale Erwärmung und die Vernichtung der Lebensgrundlagen zu stoppen", schreiben sie. Bei der Bekämpfung von Armut und Flucht gebe es nur Lippenbekenntnisse. Viele der G20-Regierungen schränkten die Rechte von Beschäftigten ein und verschärften mit ihrer Politik die Umverteilung von unten nach oben.

Suche nach Gegenentwürfen

In den Diskussionen wurden Ausbeutung, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Macht multinationaler Konzerne, ihre Monopolbildung und die Zerstörung natürlicher Ressourcen kritisiert.

Weitere Informationen

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Rund um den G20-Gipfel in Hamburg haben viele Gruppen Demonstrationen angekündigt. Wer geht wann auf die Straße? Wo könnte es gewalttätig werden? NDR.de fasst die zentralen Aktionen zusammen. (09.06.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.07.2017 | 13:00 Uhr

Hintergrund

Wer nimmt am G20-Gipfel teil?

Beim G20-Treffen sind nicht nur die wichtigsten Staats- und Regierungschefs vertreten, sondern auch viele internationale Organisationen. Bundeskanzlerin Merkel empfängt Reizfiguren wie Trump und Erdogan. mehr

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