Stand: 27.11.2017 14:50 Uhr

G20-Gegner gegen Kaution auf freiem Fuß

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Die Anwältin bat darum, den 18-Jährigen auf Fotos unkenntlich zu machen. Er hatte sich zuvor allerdings unter anderem im Interview mit "Panorama" filmen lassen.

Ein italienischer Gegner des G20-Gipfels ist viereinhalb Monate nach den Ausschreitungen in Hamburg aus der Untersuchungshaft freigekommen. Nach Vorlage einer Bescheinigung über die Einzahlung von 10.000 Euro bestätigte die Richterin am Amtsgericht Altona den Beschluss zur Haftverschonung des 18-jährigen Fabio V. gegen Kaution und Auflagen. Die rund 30 Zuschauer im Gerichtssaal reagierten mit Jubelrufen und Applaus.

Querelen um Entlassung

Der Fall hatte in den vergangenen Wochen für Debatten gesorgt - auch innerhalb der Hamburger Justiz. Die zuständige Amtsrichterin wollte den 18-Jährigen schon längst in die Freiheit entlassen, die Staatsanwaltschaft hatte das aber mit Beschwerden mehrfach blockiert. Sie hat Fabio V. wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

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Der 18-Jährige soll am Morgen des 7. Juli gemeinsam mit 150 bis 200 schwarz gekleideten und vermummten Personen in geschlossener Formation vom Altonaer Volkspark in Richtung Innenstadt gezogen sein. Die mit Steinen, Werkzeugen und Böllern bewaffnete Gruppe soll eine Hundertschaft der Bundespolizei angegriffen haben, die die Straße abgesperrt hatte. Von den Beamten in Schutzkleidung wurde niemand verletzt.

Die Verteidigerin des Angeklagten sagte, die bloße Anwesenheit des 18-Jährigen an der Stelle der Eskalation dürfte nicht ausreichen, ihren Mandanten zu verurteilen. Sie stellte darüber hinaus in Frage, dass überhaupt Steine geworfen wurden. In einem Polizeivideo, das bei einem früheren Verhandlungstermin gezeigt wurde, seien keine Steine auf der Fahrbahn zu sehen. Ein Bundespolizist, der am Montag ein zweites Mal als Zeuge erschien,sagte, dass die Polizei "kurz und massiv" beworfen worden sei. Es seien Steine, Knallkörper, Flaschen und rauchende Pyrotechnik geworfen worden.

Trotz Entscheidung noch ein Wochenende in Haft

Am Freitag hatte das Oberlandesgericht einer Entlassung des 18-Jährigen gegen Kaution zugestimmt. Das hatte der Senat aber so spät verkündet, dass die Hinterlegungsstelle für die Kaution schon geschlossen war - und Fabio V. das Wochenende doch noch hinter Gittern verbringen musste.

Das Gericht hat sieben weitere Verhandlungstermine bis zum 20. Februar angesetzt. Es wird aber mit einem Urteil schon im Januar gerechnet, wie ein Gerichtssprecher NDR 90,3 sagte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.11.2017 | 15:00 Uhr

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