Stand: 07.02.2016 10:15 Uhr

Fluglärm: Hamburgs Himmel bleibt laut

von Franziska von Tiesenhausen

Der Hamburger Flughafen ist der älteste in Deutschland und soll bald nach Helmut Schmidt benannt werden. Doch für Martin Mosel ist er vor allem ein großes Ärgernis - wegen des Lärms. Dass es nicht ganz ohne Lärm geht, ist auch Mosel als Anwohner und Sprecher der Bürgerinitiative Alstertal/ Walddörfer/ Ahrensburg für Fluglärmschutz klar. Er fordert jedoch mehr Rücksicht. "Besonders die Starts und Landungen morgens und abends müssen abnehmen und entzerrt werden", sagt Mosel. "Ein Nachtflugverbot wird überall diskutiert, nur hier nicht."

Ein Flugzeug landet am Abend. © picture-alliance Fotograf: Robert Schlesinger

Hamburgs Lärm-Debatte: Streit über Flugpläne

Hamburg Journal -

Der Fluglärm sorgt in Hamburg weiter für Ärger, obwohl vor rund einem Jahr ein 16-Punkte-Plan verabschiedet wurde. Wirklich getan hat sich seitdem aber wenig - finden die Anwohner.

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So viele Beschwerden wie noch nie

Im vergangenen Jahr starteten und landeten in Hamburg-Fuhlsbüttel mehr als 158.000 Flugzeuge und damit fast drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mehr als 9.000 Beschwerden gingen 2015 bei der Fluglärmschutzbeauftragten Gudrun Pieroh-Joußen ein. So viele wie noch nie.

Dabei hatte der Senat vor gut einem Jahr beschlossen, mehr gegen Fluglärm unternehmen zu wollen. Im Umweltausschuss stimmten die Abgeordneten von SPD, CDU, Grüne und FDP im Januar 2015 einem fraktionsübergreifenden Kompromiss zu und machten damit den Weg frei für einen 16-Punkte-Katalog gegen Fluglärm. Die wichtigsten Vereinbarungen waren längere Anflugrouten und mehr Dialog mit den Anwohnern. Geschehen sei seither wenig, kritisieren die Anwohner jetzt.

Fluglärm in Hamburg
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Fluglärmschutz in Hamburg

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Fluglärm in Hamburg bei hamburg.de. extern

Bußgeld für Verspätungen verdreifacht

Erste Maßnahmen seien schon umgesetzt, sagt hingegen Jan Dube, Pressesprecher der Behörde für Stadtentwicklung, im Gespräch mit dem Hamburg Journal. So sei etwa das Bußgeld für verspätete Landungen verdreifacht worden. "Ansonsten arbeiten wir mit Hochdruck daran, Verbesserungen für die Anwohner zu erzielen und der 16-Punkte-Plan soll in diesem Frühjahr noch vorgelegt werden."

Die Opposition hat Zweifel, dass das wirklich gelingen kann. "Der Senat hatte jetzt ein Jahr Zeit, den 16-Punkte-Plan umzusetzen, der ja schon auf dem Tisch liegt. Es müssten ja nur kleine Stellschrauben gedreht werden", sagte Dennis Thering (CDU). Er glaube nicht daran, dass es an Hamburgs Himmel leiser werde.

Enttäuscht von den Grünen

Die Bürgerinitiativen wie die von Martin Mosel fühlen sich seit der letzten Bürgerschaftswahl in Hamburg vor allem von den Grünen im Stich gelassen, die jetzt mit der SPD an der Regierung sind. "Wir wollen uns weiter gegen Fluglärm engagieren", sagt der Grünen Fraktionschef Anjes Tjarks dem Hamburg Journal. "Aber man müsse fairerweise sagen, dass Fluglärm noch von ein paar anderen Faktoren abhängt als nur noch von den Grünen." So könne man beispielsweise die Anzahl der Starts und Landungen in Hamburg nur bedingt beeinflussen.

Für Martin Mosel und seine Mitstreiter steht fest: Der 16-Punkte-Plan muss bald umgesetzt werden. Andernfalls wollen sie versuchen, gegen den Fluglärm zu klagen.

Weitere Informationen

16-Punkte-Plan gegen Fluglärm in Hamburg

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Senat beschließt Plan gegen Fluglärm

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.02.2016 | 19:30 Uhr