Stand: 17.02.2016 17:47 Uhr

Flüchtlingsunterkünfte: Konkrete Vorschläge gefragt

Es ist das Thema, über das ganz Hamburg spricht - von der Politik bis zu den Stammtischen. Wie lösen wir das Problem, Zehntausende Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen? Bislang hört man auf jede Anstrengung, die unternommen wird, immer nur die lapidare Antwort: "So aber nicht".

Ein Kommentar von Sabine Rossbach (Direktorin des NDR Landesfunkhauses Hamburg)

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Sabine Rossbach, Direktorin des NDR Landesfunkhauses Hamburg, kommentiert die Diskussion um Großunterkünfte für Flüchtlinge.

Ich bin sicher, niemand findet es gut, Flüchtlinge in Großunterkünften unterzubringen. Der Senat nicht, die Opposition nicht, die Welcome-Bewegung nicht. Nicht die Linke, nicht die Rechte, kein Gutmensch und auch kein Bedenkenträger. Ich bin ebenfalls sicher, dass die Flüchtlinge auch lieber in kleineren Einheiten zu Hause wären, obwohl alles natürlich besser ist als Bombenhagel oder enge Baumärkte.

Nun muss die Stadt Hamburg aber - so die Schätzung - 40.000 Flüchtlinge, die in wenigen Monaten zu uns kommen, in menschenwürdigen Quartieren unterbringen. In einer bebauten Großstadt, wie jeder sich vorstellen kann, nicht einfach. Daher der Gedanke, die Flächen, die da sind, vorübergehend für so viele Menschen wie möglich zu nutzen. Eigentlich nachvollziehbar, wenn auch nicht schön. Das zu vermitteln ist dem Senat nicht gelungen.

Helfen ja - aber...

Die Suche nach Alternativen, die eine Achse der Scheinheiligen nun fordert, braucht aber uns alle. "Helfen ja - aber nicht in Großunterkünften" oder "helfen ja - aber nicht bei uns." Das reicht nicht, es müssen konkrete Vorschläge her und zwar solche, die mit der konkreten Herausforderung jetzt in Hamburg zu tun haben. Forderungen nach Schließung von Grenzen, einer Einflussnahme auf Putin oder einer europäischen Lösung sind zwar schnell gerufen, werden aber andernorts entschieden und dauern - wie man weiß - auch eine Weile.

Wo bleibt die konstruktive Kritik?

Die CDU lässt ausrichten: Wir klagen an, aber als Opposition müssen wir keine Vorschläge machen. Mit anderen Worten: Das soll mal der Senat schön selbst lösen. Hallo! Hamburg ist noch nicht im Wahlkampf, man könnte sich daher auch für konstruktive Kritik entscheiden. Wo die Flüchtlinge wohnen sollen? Das wissen auch Bürgerinitiativen, Ehrenamtliche, Gutmenschen und Stammtische nicht. Jemand soll, jemand muss das Problem lösen. Aber wer ist denn jemand? Das sind wir doch alle.

Gemeinsame Anstrengung gefragt

Wenn selbst der Erste Bürgermeister Olaf Scholz öffentlich sagt, er zähle auf Beratung, warum nehmen wir die Chance nicht wahr und helfen alle: mit konkreten Vorschlägen oder eben der Akzeptanz von Kompromissen. Die polarisierenden Sprüche auf den Plakaten zur Volksinitiative mag man sich ehrlich gar nicht vorstellen. Eine gemeinsame Anstrengung wäre für alle besser, als wenn es wenigen gelänge, weltoffene und demokratieliebende Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hamburg gegeneinander in Stellung zu bringen. Egal wie das Ergebnis nämlich auch sein wird: Die Frage, wo die Flüchtlinge konkret untergebracht werden sollen, bleibt unbeantwortet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.02.2016 | 17:47 Uhr