Stand: 26.01.2016 06:41 Uhr

Expressbauten in Eppendorf sorgen für Ärger

Rote Klinkerfassade, bodentiefe Fenster, Dachterrassen. Und im Innenhof Spielplätze für Kinder. Die ersten Expresswohnungen in Hamburg unterscheiden sich äußerlich nicht von sonstigen Neubauten.

Zum ersten Mal sollen in Hamburg Wohnungen für Flüchtlinge im Expresstempo in einem Gewerbegebiet gebaut werden. Über die Pläne für den Stadtteil Eppendorf wurde am Montagabend in der Bezirksversammlung heftig diskutiert, wie NDR 90,3 berichtete. Einige der rund 200 Gäste machten ihrem Unmut Luft darüber, dass sie beim Bau von insgesamt 500 Wohnungen für Flüchtlinge kaum etwas mitzureden hätten. Kritik kam auch von den umliegenden Gewerbetreibenden. Sie fürchten, verdrängt zu werden. Bereits Ende des Jahres sollen die ersten Flüchtlinge in die Expressbauten in Eppendorf einziehen.

Noch keine Flüchtlingsunterkunft in Eppendorf

Bislang gibt es in Eppendorf keine einzige Flüchtlingsunterkunft, nun sollen auf einem Gewerbegebiet bald in einem ersten Bauabschnitt rund 180 sogenannte Expresswohnungen für Flüchtlinge gebaut werden: Die Gebäude mit roten Klinkerfassaden sind auf den Entwürfen äußerlich kaum von sonstigen Neubauten zu unterscheiden. Lediglich im Inneren sind in Leichtbauweise zusätzliche Wände geplant, damit mehr Menschen als in sonstigen Sozialwohnungen einziehen können.

2.200 Flüchtlinge vorgesehen

Der Bezirk Hamburg-Nord rechnet mit rund 2.200 Flüchtlingen, die auf dem Gewerbegebiet an der Osterfeldstraße ein neues Zuhause finden sollen. Für den privaten Grundstückseigentümer ein lukratives Geschäft - will der Bezirk doch nachträglich den Bebauungsplan ändern und in dem Gebiet auch Wohnungen zulassen. Die benachbarten Gewerbebetriebe laufen dagegen Sturm. Sie fürchten, dass sie mit Klagen wegen Lärms überzogen werden, wenn nebenan Wohnungen sind. Außerdem bemängelten einige Nachbarn bei einer Sitzung des Regionalsausschusses Eppendorf-Winterhude, dass es für Flüchtlinge und Kinder nicht genügend Kitas, Schulen und Geschäfte in der Nachbarschaft gebe. Die Stadt will die privat errichteten Wohnungen für 15 Jahre anmieten, danach kommen sie auf den freien Wohnungsmarkt.

Wohnungsbau soll beschleunigt werden

Hamburgs Stadtentwicklungsbehörde hatte bereits im vergangenen Herbst beschlossen, wegen der vielen Flüchtlingen den sozialen Wohnungsbau massiv zu beschleunigen. Jeder Bezirk muss eine Fläche von mindestens sieben Hektar Größe für den sofortigen Wohnungsbau nennen. So sollen innerhalb eines Jahres Hunderte mehrstöckige Wohnhäuser entstehen. Möglich wäre das nur am Stadtrand mit Fertigbauteilen.

Die erste dieser Großunterkünfte entsteht in Neugraben-Fischbek - dort sollen 3.000 Schutzsuchende unterkommen. Anwohner haben bereits Klage angekündigt, sie würden nur 1.500 Flüchtlinge akzeptieren. Die Gegner der großen Wohnquartiere für Flüchtlinge können ihre Argumente am 11. Februar in der Bürgerschaft vorbringen.

Weitere Informationen

Zusammenschluss gegen Flüchtlings-Großsiedlungen

Mehrere Bürgerinitiativen gegen die Flüchtlingspolitik in Hamburg haben sich zusammengetan. Sie wollen sich künftig gemeinsam gegen neue Großsiedlungen wehren. (05.01.2016) mehr

Flüchtlinge: Rot-Grün hält an Großsiedlungen fest

Für SPD und Grüne in Hamburg bleibt das Thema Flüchtlinge auch in diesem Jahr die größte Herausforderung. Mit ihren Wohnungsbau-Plänen sieht sich die Koalition auf dem richtigen Weg. (04.01.2016) mehr

Flüchtlinge in Hamburg

Viele Flüchtlinge suchen Schutz in Hamburg. NDR.de sammelt hier Nachrichten, Reportagen und Interviews zum Thema Flüchtlinge in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.01.2016 | 06:00 Uhr

Wie wir mit Flüchtlingen zusammenleben

NDR Reporter begleiten mehrere Monate lang Flüchtlinge und Norddeutsche, die mit ihnen zu tun haben. Welche Hoffnungen und Ängste haben sie? Und wie entwickelt sich das Zusammenleben? mehr

Flüchtlinge in Norddeutschland

Viele Flüchtlinge sind in Norddeutschland angekommen. Auf NDR.de finden Sie aktuelle Meldungen und Hintergründe rund um das Thema sowie Informationen speziell für Flüchtlinge. mehr