Stand: 17.06.2017 10:53 Uhr

Elbvertiefung: Hamburg findet Ausgleichsfläche

Die geplante Elbvertiefung rückt offenbar näher. Hamburg hat eine neue Ausgleichsfläche für eine gefährdete Pflanzenart gefunden. Auf der Billwerder Insel soll ein neues Gebiet für den Schierlingswasserfenchel entstehen, wie NDR 90,3 am Freitag berichtete.

Eine Elbaue und ein Schild mit der Aufschrift: Naturschutzgebiet.

Geplante Elbvertiefung rückt näher

Hamburg Journal -

Die Stadt Hamburg hat eine neue Ausgleichsfläche für den gefährdeten Schierlingswasserfenchel gefunden, der die Elbvertiefung bisher verhindert hatte. Naturschützer sind skeptisch.

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Es geht um mehrere Becken eines ausgedienten Wasserwerks gleich neben der Autobahn 1: Auf Hamburger Gebiet wollen Stadt und Bund jetzt die neue Ausgleichsfläche für den Schierlingswasserfenchel schaffen. Die ehemalige Trinkwassergewinnungsanlage auf der Billwerder Insel wurde 1892 errichtet, ist seit 1990 stillgelegt und steht unter Denkmalschutz. Von den vier vorhandenen Becken sollen geeignete an die Tideelbe angeschlossen und umgestaltet werden. Die Tide soll vom Holzhafen durch einen bereits vorhandenen Graben einströmen.

Zahlreiche Standorte geprüft

Mehr als 70 verschiedene Standorte haben Wissenschaftler in den vergangenen Monaten untersucht - und sich am Ende für die Billwerder Inseln entscheiden. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos): "Dieses Gebiet ist in einem besonderen Maße geeignet, dem Lebensraum des Schierlingswasserfenchels nicht nur näher zu kommen, sondern ihm ideale Möglichkeiten der Entfaltung zu geben." Rund 200 Exemplare der bedrohten Pflanzenart sollen angesiedelt werden.

Karte: Ausgleichsfläche für den Schierlingswasserfenchel

Ein Gebiet, das die Stadt anfangs bei den Planungen für die Elbvertiefung ausgewiesen hatte, war vom Bundesverwaltungsgericht verworfen worden. Jetzt wendet sich Hamburg mit dem neuen Vorschlag an die EU. Horch: "Dies ist ein ganz wichtiges Etappenziel. Und ich erwarte einen positiven Bescheid der EU." Parallel dazu lädt Horch die Umweltverbände zu Gesprächen ein.

Umweltschützer skeptisch

Der BUND Hamburg zeigte sich in einer ersten Reaktion skeptisch, ob der gewählte Standort geeignet ist. "Man muss schauen, ob die Fläche so von der Tide beeinflusst wird, dass der Schierlingswasserfenchel tatsächlich dort wachsen kann", sagte BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch im Hamburg Journal. Schließlich liegen auf dem Gelände "alte Wasserbecken mit massivem Betoneinbau". Der BUND schließt eine Klage gegen die neuen Pläne nicht aus.

"Meilenstein" oder nicht?

Während Senator Horch von einem "Meilenstein" auf dem Weg zur Elbvertiefung sprach, kritisierte die Opposition in der Bürgerschaft die Ankündigung. "Halbgare Projektstände als Meilenstein zu bezeichnen, zeigt, wie groß die Verzweiflung bei Horch mittlerweile ist", sagte der FDP-Abgeordnete Michael Kruse. Weder die EU-Kommission noch die Umweltverbände hätten bislang eine Beurteilung der Maßnahme abgegeben. Ralf Niedmers von der CDU-Fraktion erklärte, es sei unverständlich, dass Horch allein durch die Identifizierung einer potenziellen Ausgleichsfläche von einem Meilenstein spreche.

Elbvertiefung seit Jahren umstritten

Wann Hamburg und der Bund alle neuen Pläne für die Elbvertiefung fertig haben, ist noch nicht klar. Möglicherweise bis zum Jahresende, vielleicht aber auch erst 2018. Die geplante Elbvertiefung ist seit 15 Jahren umstritten. Sie soll Schiffen mit einem Tiefgang bis 13,50 Metern tideunabhängig und bis 14,50 Metern tideabhängig die Zufahrt zum Hamburger Hafen ermöglichen. Während die Hafenwirtschaft und die Reedereien die Maßnahme für unerlässlich halten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu sichern, befürchten die Umweltverbände schwere Nachteile für den Naturraum Elbe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.06.2017 | 11:00 Uhr

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