Stand: 17.06.2015 19:42 Uhr

Eine Brücke für den alten Bismarck

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de

Eigentlich geht es nur darum, einen lange vernachlässigten Park neu zu gestalten. Doch nun könnte die Sanierung des Alten Elbparks nahe des Hamburger Hafens viel mehr mit sich bringen: einen Brückenschlag im Grüngürtel der Hansestadt. Denn zwischen dem Alten Elbpark und Planten un Blomen ist nun eine Fußgängerbrücke geplant. Sie soll über die mehrspurige Straße Millerntordamm hinweg die bislang getrennten Parks miteinander verbinden. So sieht es das Kieler Landschaftsbüro MUHS vor, dass am Donnerstag von der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte den Auftrag für eine Sanierung des Alten Elbparks mit dem Bismarck-Denkmal erhalten sollte.

Wie der Alte Elbpark umgestaltet wird

Auch viele Anwohner begeistert

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Bislang gibt es nur diese Skizze von der geplanten Fußgängerbrücke (siehe Bogen). Oben liegt Planten un Blomen, unten der Alte Elbpark mit dem Bismarck-Denkmal (gelbe Fläche).

Am Dienstagabend hatte sich bereits der Cityausschuss des Bezirks für die Kieler Planer ausgesprochen. Im Rennen waren insgesamt vier Büros. "Wir haben uns für den mutigsten Entwurf entschieden", sagte SPD-Bezirkspolitiker Arik Willner am Mittwoch im Gespräch mit NDR.de. Er ist Sprecher der SPD-Fraktion im Cityausschuss. "Eine Verbindung zwischen beiden Parks ist unheimlich attraktiv." Unklar ist noch, wie genau die schmale Brücke verlaufen soll und was sie kosten wird. "Aber ich bin mir ganz sicher, dass eine Fußgängerbrücke kommen wird", sagte Willner. "Wir in der Politik werden zumindest alles daransetzen." Schließlich sei der Kieler Entwurf mit dem Titel "Alte Liebe rostet nicht" auch der Favorit bei der Bürgerbeteiligung gewesen. Rund 48 Prozent hatten für den Entwurf mit der Fußgängerbrücke gestimmt.

"Brücke nicht viel teurer als eine Ampel"

Auch Neustadt-Quartiersmanager Sascha Bartz ist zufrieden. "Bei der Entscheidung für den Entwurf mit der Fußgängerbrücke sind alle auf einer Linie gewesen - Bürger, Politiker und das zuständige Fachamt vom Bezirk." Bartz organisiert den Bürgerbeteiligungs-Prozess im Auftrag des Bezirkamts. Die Bürgerbeteiligung soll nach den Sommerferien fortgesetzt werden, wie Bartz am Mittwoch ankündigte. Bis dahin habe das Kieler Planungsbüro Zeit, seine Ideen für die Park-Sanierung auszuarbeiten. "Bislang ist vorgesehen, dass die Brücke im Park Planten un Blomen endet", weiß Bartz. "Aber diese Lösung ist eher unwahrscheinlich, da Planten un Blomen bestimmte Öffnungszeiten hat und die Brücke außerhalb dieser Zeiten geschlossen werden müsste. Und das wäre nicht sinnvoll." Wahrscheinlicher sei deshalb, dass die Fußgängerbrücke auf dem Gehweg außerhalb von Planten un Blomen endet. Zu den Kosten für eine solche Fußgängerbrücke meinte Bartz: "Sie wird auch nicht viel teurer als eine Ampel-Anlage."

Auch am Abend soll die Fußgängerbrücke die Umgebung prägen. "Eine solche Brücke kann mit entsprechendem Beleuchtungskonzept auch bei Dunkelheit als Skulptur wirken und dem Millerntor einen neuen Akzent geben", schreiben die Landschaftsarchitekten von MUHS in ihrem Entwurf.

Ein Bismarck-Museum im Denkmal-Sockel

Die bisherige Bürgerbeteiligung mit Info-Abenden, einem Rundgang durch den Alten Elbpark und Diskussionen bezeichnet SPD-Bezirkspolitiker Willner als sehr erfolgreich. "Die Experten im Bezirksamt waren anfangs skeptisch. Aber die Bürgerbeteiligung hat sehr gute Ideen hervorgebracht und wichtige Anregungen geliefert. Zudem war die Beteiligung von Anwohnern vor Ort überraschend groß", sagte Willner. Bis Ende des Jahres sollen die Pläne für die Park-Sanierung so weit ausgereift sein, dass der Bezirk eine endgültige Entscheidung fällen kann.

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Der Bolzplatz, der etwas versteckt im Park liegt, wird wohl erhalten bleiben.

Geplant ist bislang auch ein Museum zur Geschichte des Bismarck-Denkmals im Sockel des Bauwerks. Auf dem Platz vor dem Denkmal soll nicht etwa ein Café entstehen, sondern ein mobiler Food-Truck die Park-Besucher mit Speisen und Getränken versorgen. Der Asche-Bolzplatz am Fuße des Denkmals soll einen ganzjährig nutzbaren Kunststoff-Belag erhalten - für verschiedene Ballsportarten wie Fußball, Basketball, Hockey und Volleyball. Auch eine Boule-Anlage im Park ist von den Kieler Planern vorgesehen.

Das 1906 eingeweihte Bismarck-Denkmal ist in die Jahre gekommen und neigt sich bedenklich. Eine Grundinstandsetzung ist dringend erforderlich. Für die Denkmal- und die Park-Sanierung werden Kosten in Höhe von insgesamt rund 12 Millionen Euro veranschlagt, etwa die Hälfte davon muss die Stadt aufbringen.

Karte: Der Alte Elbpark in Hamburg