Stand: 26.03.2016 14:16 Uhr

Pudel Club: Zwangsversteigerung verschoben

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Das Dach des Pudel Clubs ist provisorisch mit Plane abgedeckt.

Auch sechs Wochen nach dem Feuer im Golden Pudel Club ist unklar, wie es mit dem Hamburger Kultclub am Hafen weitergeht. Noch immer ist die Wiedereröffnung in weiter Ferne, denn die aufwendigen Sanierungsarbeiten konnten bisher nicht beginnen. Zudem wurde am Sonnabend bekannt, dass die lange geplante Zwangsversteigerung verschoben wird. Das teilten die Betreiber auf der Internetseite des Clubs mit.

Wert muss neu berechnet werden

Eigentlich sollte der Pudel Club am 20. April auf Betreiben von Mitinhaber Wolf Richter zwangsversteigert werden. Dies verzögert sich jetzt, weil das dazu notwendige "Verkehrswertgutachten" überarbeitet werden muss. Bisher war der Verkehrswert Grundstücks samt Haus mit 510.000 Euro angesetzt. Das Pudel-Kollektiv und die Initiative des angrenzenden gesellschaftspolitischen Projekts Park Fiction lehnen eine Versteigerung ab. Sie möchten das Grundstück dem Kapitalmarkt entziehen und in eine bereits existierende Hamburger Stiftung überführen. Ein Verein soll über die Geschicke bestimmen.

Brand zerstört Hamburger Golden Pudel Club

Betreiber verärgert über schleppende Sanierung

Grund für die Verzögerung der Sanierungsarbeiten ist nach Angaben der Club-Betreiber das Verhalten von Richter. Er verhindere den Beginn des Wiederaufbaus, schreibt das Pudel-Kollektiv in einer Stellungnahme. Für die Betreiber ein großes Ärgernis - die Verzögerungen würden erhebliche finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringen. Es sei wichtig für das unkommerzielle Projekt, schnell wieder zu öffnen, um die weiterlaufenden Kosten zu decken.

Clubräume müssen komplett erneuert werden

Die Flammen hatten zwar nicht im Club gewütet, dennoch muss der gesamte Innenraum entkernt und erneuert werden. Das Erdgeschoss wurde durch Löschwasser und Rauchgase schwer beschädigt. "Alles muss raus. Aber der Pudel soll so schnell wie möglich wieder eröffnen", hatte sich Charlotte Knothe, Mitglied des Betreiberkollektivs, eine Woche nach dem Brand noch zuversichtlich im Gespräch mit NDR.de gezeigt. Auch, weil es sehr viel Unterstützung für den Club gibt. Doch die Hoffnung hat mittlerweile durch den Zoff der Eigentümer einen herben Dämpfer erhalten.

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Die Sanierungsarbeiten konnten bisher nicht beginnen, noch ist unklar, wann der Musikclub wieder öffnen kann..

Obwohl die gemeinsamen Besitzer Rocko Schamoni und Wolf Richter seit Jahren im Streit liegen, sah es kurz nach dem Brand so aus, als könne es schnell gehen mit der notwendigen Sanierung. Nach Angaben der Pudel-Betreiber einigten sich die Inhaber nach einer gemeinsamen Begutachtung des Gebäudes am 13. Februar darauf, das Dach und den ersten Stock komplett abzubauen. Bei dem Termin waren auch ein Architekt, Versicherungsvertreter sowie ein unabhängiger Sachverständiger dabei. Es wurde vereinbart, das Gebäude mit einem vorläufigen Flachdach zu verschließen, um den Pudel Club schnellstmöglich wieder eröffnen zu können. Die Versicherung sagte zu, die Kosten dafür zu übernehmen.

Nachdem zwei Firmen Kostenvoranschläge gemacht hatten, entschied sich Schamoni schnell für ein Angebot - im Gegensatz zu Richter, der laut Betreiber-Kollektiv lange nicht zu erreichen war. Mehrere Wochen regnete es daraufhin in das offene Dach, der Zustand des Gebäudes verschlechterte sich. "Auf Schreiben unserer Anwälte hin, Schadensersatzforderung geltend zu machen, nahm Richter mit Arbeitern auf dem Grundstück einige stützende Notfallmaßnahmen am Dach vor und brachte eine Plane an", heißt es in der Stellungnahme des Kollektivs.

Richter: Mietvertrag hinfällig

Am 8. März habe sich Richter dann über seinen Anwalt gemeldet, um mitzuteilen, dass er den Mietvertrag des Clubs bis 2029 für hinfällig halte. "Das Pudel-Kollektiv hat keinen Anspruch auf Wiederherstellung der Mietsache", heißt es in dem Schreiben - wegen der großen Gebäudeschäden. Zudem dürften die Clubräume nicht mehr betreten werden.

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Der Golden Pudel Club liegt an der Hafenstraße

Einen Tag später teilte Richter mit, weitere Maßnahmen durch eine ihm bekannte Baufirma unter seiner Aufsicht durchführen zu wollen. Schamoni und das Kollektiv lehnten dies ab. Sie wollen nun mit allen rechtlichen Mitteln auf die Fortführung des Pachtvertrags bestehen. Sie fordern von Richter die "sofortige Beendigung der systematischen Verzögerungen aller Wiederherstellungsmaßnahmen". Ihr Ziel ist es, den Club schnellstmöglich wieder herzurichten.

Belohnung in Höhe von 7.500 Euro ausgesetzt

Die Ermittler gehen unterdessen weiter von Brandstiftung aus. Von den Tätern fehlt noch immer jede Spur. Laut Polizei wurde von einer Privatperson eine Belohnung in Höhe von 7.500 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung und der rechtskräftigen Verurteilung des Täters führen. Die Hinweise müssen bis zum 30. Juni bei der Polizei eingehen.

Park Fiction plant Mini-Pudelsalon

Nach Ostern will das Park-Fiction-Projekt eine betretbare Miniversion des Pudel Clubs auf die Treppe oberhalb des beschädigten Gebäudes bauen. "Als Protestbau. Als Park-Fiction-Archiv-Exil. Als Plattform für die Neuplanung des Obergeschosses. Als Lustpavillon für kulturelle Bespielung. Durch den Brand des Clubs ist dem Park Fiction das Herz herausgerissen worden. Dabei werden wir es nicht belassen", heißt es auf der Internetseite. Allerdings würden dafür Spenden in Höhe von 5.000 Euro benötigt.

Der Golden Pudel Club - eine Hamburger Institution

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.03.2016 | 13:00 Uhr