Stand: 11.07.2017 06:25 Uhr

Druck auf Rote Flora wächst nach G20

Die Rote Flora gerät nach den Ausschreitungen während des G20-Gipfels am Wochenende politisch weiter unter Druck: CDU und AfD verlangen die Schließung, die FDP fordert, "die linksextremistischen Strukturen in der Roten Flora auszutrocknen".

Auch SPD und Grüne gehen auf Distanz zur Roten Flora: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte bereits am Sonntagabend gesagt, dass über Konsequenzen nachgedacht werden müsse. Eine übereilte Entscheidung lehnt er aber ab. Ähnlich äußern sich inzwischen auch die Grünen. Sie fordern, dass sich im Schanzenviertel etwas ändern müsse. Klare politische Rückendeckung gibt es nur von der Linksfraktion und ihrer Chefin Sabine Boeddinghaus. Man sei klar für eine Aufarbeitung und für eine Distanzierung. Diejenigen, die da wirklich gewalttätig in der Schanze unterwegs waren, müssten bestraft werden. "Aber die Rote Flora ist Teil unserer Stadt und bleibt auch Teil unserer Stadt", sagte Boeddinghaus.

Die Rote Flora damals und heute

Rote Flora-Anwalt Beuth distanziert sich

Der Anwalt des linksautonomen Zentrums Rote Flora, Andreas Beuth, ruderte am Montag bei der Bewertung der schweren Krawalle zurück. "Solche Aktionen sind sinnentleerte Gewalt und haben eine Linie überschritten", sagte Beuth dem Online-Auftritt des "Hamburger Abendblatts". Er distanzierte sich aufs Schärfste von dem, was dort am Freitagabend passiert sei. "Auch wir sind fassungslos über die Geschehnisse". Die Flora werde den Opfern der Krawalle helfen. "Wir sind sicher nicht reich, aber werden auch finanzielle Hilfe für die stark betroffenen Geschäfte leisten. Denkbar ist etwa ein Solidaritätskonzert."

Noch am Sonnabend hatte Beuth in einem NDR aktuell extra gesagt: "Wir als Autonome und ich als Sprecher der Autonomen haben gewisse Sympathien für solche Aktionen, aber bitte doch nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen. Also warum nicht irgendwie in Pöseldorf oder Blankenese?". Er habe sich missverständlich ausgedrückt, sagte er nun. "Ich meinte damit, dass ich Sympathien für friedliche Aktionen in solchen Vierteln hege." Auch geringe Sachbeschädigungen könnten Ausdruck zivilen Ungehorsams sein. "Aber die Randale hat jeden legitimen Rahmen überschritten."

Beuth: Rote Flora ist nicht alleiniger Sündenbock

Beuth räumte ein, dass das Gewaltpotenzial unterschätzt worden sei. "Wir haben insbesondere am Freitag eine neue, abscheuliche Dimension der Gewalt dieser Menschen gesehen." Dafür trage er eine politische Mitverantwortung. Forderungen nach einer Schließung der Roten Flora trat Beuth entgegen: "Es darf nicht sein, dass die Rote Flora zum alleinigen Sündenbock erklärt wird." Die Realität sei deutlich komplizierter, als jetzt in Politik und Medien getan werde. Allerdings sei ihm bewusst, dass es diesmal mit einer Pressemitteilung nicht getan sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.07.2017 | 07:00 Uhr

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