Stand: 17.07.2014 15:49 Uhr

Die kreativen Problemlöser

Kein Thema zu albern, keine Frage zu kompliziert, kein Auftrag zu schwierig - die Studenten des Studiengangs Experimentelles Design an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) suchen Lösungen für Alltagsprobleme. Seit Juni bieten sie wieder ihre "Öffentliche Gestaltungsberatung" auf St. Pauli an. Und beweisen dabei, dass guter Rat nicht teuer sein muss. Jeden Mittwoch zwischen 18 und 19 Uhr beraten sie am Hein-Köllisch-Platz alle Anwohner, die sich keinen professionellen Gestalter leisten können.

Anpacken statt lamentieren

Alles ist irgendwie designt

Die Garagenwand zu weiß? Der Wohnzimmertisch zu sperrig? Der Innenhof zu abweisend für ein Nachbarschaftstreffen? "Eigentlich ist man permanent durch Design beeinflusst. Dann gibt es doch auch endlos Möglichkeiten, was zu ändern", sagt Charlotte Dieckmann, die das Projekt mitbetreut. Gemeinsam mit rund 20 Kommilitonen - darunter gelernte Tischler, Grafiker oder Innenarchitekten - erarbeitet sie unkomplizierte Ideen für jeden Lebensraum. Mit Familien, Studenten-WGs oder Ladenbesitzern werden Gestaltungsfragen im kleinen und großen Stil diskutiert.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt bereits 2011 durch Jesko Fezer, Professor für Experimentelles Design an der HfbK, in Zusammenarbeit mit der GWA St. Pauli. Der Vorteil für seine Studenten: Sie können Theorie und Praxis miteinander verbinden, selbständig eigene Projekte betreuen, Kommunikation trainieren - und sich diese in Creditpoints sogar für ihr Studium anrechnen lassen. "Wir helfen nicht nur, sondern werden oftmals selbst durch die Projekte inspiriert", sagt Fynn-Morten Heyer.

Kreative Lösungsansätze mit wenig Mitteln

So hat ihnen der Auftrag für ein Gartenhaus in einem Kleingarten in Bahrenfeld gezeigt, wie viel Nachhaltigkeit mit wenig Mitteln möglich ist. "Wir haben den Garten im Winter besucht, alles war grau und unwirtlich - wir konnten uns keine gemütliche Laube vorstellen", sagt Daniel Pietschmann, der das Projekt gemeinsam mit Charlotte betreute. Doch mit dem Frühling wuchsen auch die Ideen. Im Sommer stand ein charmantes Gartenhaus, das durch seinen Bau aus Europaletten leicht umziehen kann. Sollte es der Besitzer nicht mehr verwenden, kann es leicht entsorgt - oder weiterverarbeitet werden. Die Bauanleitung dient inzwischen als Vorbild für weitere Häuser.

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Mit der öffentlichen Gestaltungsberatung bieten Studenten der HfbK moderne Nachbarschaftshilfe.

Rund 30 Projekte haben die studentischen Heinzelmännchen in den vergangenen Jahren bereits betreut. Derzeit tüfteln sie an der Bühnengestaltung für ein Off-Theater in der Washington Allee und der Lösung für ein "Pinkel-Problem" in einer Seitenstraße auf St. Pauli. Ihnen ist wichtig zur Selbstbestimmung und Initiative anzuregen. "Wir wollen die Stadt und die Dinge in ihr gemeinsam entwerfen", erklärt Daniel.

St. Pauli bietet beste Voraussetzungen

Nicht ohne Hintergedanken sitzt die Zentrale der Design-Beratung deshalb auf St. Pauli. Dem Stadtteil, der besonders von Gentrifizierung mit Abriss, steigenden Mieten und Eigentumsneubauten betroffen ist. Eines ihrer ersten Projekte war die Umgestaltung der Flure im sogenannten Niebuhr-Hochhaus auf St. Pauli. Mit Hilfe von speziell entworfenen Stehtischen und Theken haben sie Nachbarschaftstreffen angeregt und unterstützt.

Kann Design zu einer besseren und anderen Stadt beitragen? Diese Frage würden die Projektmitarbeiter gerne positiv beantworten. "Wir finden, dass Design allen zur Verfügung stehen sollte, weil es viel mehr ist als nur schicke Edel-Autos zu entwerfen", sagt Design-Student Fynn. Das Projekt bietet Anwohnern das Handwerkszeug, aktiv in die Strukturen ihres Viertels einzugreifen.

Dieses Thema im Programm:

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