Stand: 21.02.2016 22:46 Uhr

"Der Pudel soll möglichst schnell wieder öffnen"

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"Wir stehen alle noch unter Schock": Charlotte Knothe vom Betreiberkollektiv vor dem Pudel.

Der Schock sitzt noch immer tief. "Das ist eine Katastrophe. Ich kann noch immer nicht glauben, was passiert ist." Charlotte Knothe steht in der Brandruine vom Golden Pudel Club und schaut sich verzweifelt um. "Wir müssen die Räume komplett sanieren. Holzverkleidung, Tresen, Möbel, DJ-Pult - alles muss leider raus", sagt Knothe, die Mitglied des Betreiberkollektivs des Hamburger Kultclubs am Hafen ist. "Es stand etwa zehn Zentimeter Löschwasser im Club, es lief überall runter."

Zum Glück hätten die Flammen nicht in den Räumen gewütet, dennoch sorgt der Rauch auch eine Woche nach dem Feuer im Golden Pudel Club noch für beißenden Geruch. Der gesamte Innenraum des Clubs muss deshalb entkernt und komplett erneuert werden. Auch alle elektrischen Geräte sind entweder von Löschwasser und Rauch zerstört oder müssen überholt werden. Das soll laut Knothe sehr bald passieren: "Der Pudel soll so schnell wie möglich wieder eröffnen." Allerdings müssten noch einige Dinge geklärt werden. Ein genauer Zeitpunkt könne deshalb nicht genannt werden.

Brand zerstört Hamburger Golden Pudel Club

Riesige Kraftanstrengung und finanzielle Herausforderung

Die Versicherung bezahlt nach Angaben des Pudel-Kollektivs Notfallmaßnahmen und wohl auch Teile des Wiederaufbaus und der Wiederbeschaffung. Es bedeute eine riesige Kraftanstrengung und eine große finanzielle Herausforderung. Aber Knothe ist zuversichtlich: "Was mir Mut und Hoffnung für einen Neuanfang macht? Die wahnsinnig große Unterstützung, die wir bekommen. Es stehen sehr viele Menschen hinter uns." Nicht nur aus Hamburg, sondern aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland seien Solidaritätsbekundungen mit Ideen, Visionen und Hilfsangeboten eingegangen. Alle geplanten Veranstaltungen im Pudel wurden zwar abgesagt, in einigen anderen Clubs fanden aber bereits Soli-Partys statt.

Noch immer ist unklar, wer für das Feuer verantwortlich ist. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Verletzt worden war bei dem Brand niemand, die etwa 80 Gäste konnten sich ins Freie retten. "Niemand weiß derzeit genau, was passiert ist, an Spekulationen beteiligen wir uns nicht", betont Knothe.

2.500 Menschen demonstrieren für den Erhalt des Clubs

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Etwa 2.500 Unterstützer demonstierten für den Erhalt des Golden Pudel Clubs.

Am Freitagabend waren laut Polizei etwa 2.500 Unterstützer des Szeneclubs auf die Straße gegangen. "Unsere Ruine kriegt Ihr nicht!" hieß es auf einem großen Transparent. Die Demonstranten zogen vom Millerntorstadion aus über die Reeperbahn bis zum Club im Stadtteil St. Pauli. Die Teilnehmer kündigten an, sich gegen Spekulanten wehren zu wollen, die das Grundstück am Elbufer erwerben wollen.

Grundstück soll zwangsversteigert werden

Das Pudel-Grundstück soll nämlich weiterhin aufgrund eines Streits zwischen den Eigentümern Mitte April zwangsversteigert werden. Dazu muss ein Gutachten überarbeitet werden. Bisher war der Verkehrswert des 329 Quadratmeter großen Grundstücks samt Haus mit 510.000 Euro angesetzt. Laut Bezirksamt Altona sieht der Bebauungsplan auf dem Grundstück einen zweigeschossigen Bau mit maximal 260 Quadratmetern Nutzfläche vor. Eher vage sei dort festgehalten, dass eine Nutzung als Gaststätte mit Kunst und Musikprogramm erhalten bleiben solle, sagte Behördensprecher Martin Roehl. "Wir würden uns freuen, wenn es an dieser Stelle einen Ort gäbe, an dem sich die Off-Szene treffen könnte."

Pudel-Kollektiv will Stiftungslösung

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"Noch ein letztes Foto an meinem Lieblingsplatz": Knothe am Pudel-Tresen, der komplett raus muss.

"Das Gelände mit Gebäude wird an den Meistbietenden versteigert. Dabei geht es systembedingt um Spekulation und Gewinnmaximierung", schreibt das Club-Kollektiv auf der Internetseite des Pudels. "Genau das aber widerspricht dem Geist des Pudels, der eben nicht gewinnmaximierend operiert, und deshalb die Idee, zu einem Spekulationsobjekt zu werden, zutiefst ablehnt." Es gehe um mehr als den Musikclub. Man wolle weg vom Eigentümer-Gedanken und eine Stiftungs-Lösung finden, in der ein Verein über die Geschicke bestimmt.

Pachtvertrag läuft noch bis 2029

Der Club hat noch einen Pachtvertrag bis 2029. Das Pudel-Kollektiv und die Initiative des angrenzenden gesellschaftspolitischen Projekts Park Fiction möchten das Grundstück schon lange dem Kapitalmarkt entziehen und in eine bereits existierende Hamburger Stiftung überführen. Jeder andere "Ersteigerer" solle mit großem Widerstand rechnen. Sollte es nach der Zwangsversteigerung einen neuen Besitzer des Obergeschosses geben, der die Vorstellung des Pudel-Park-Fiction-Komplexes als unkommerziellen Kulturort nicht mittrage, "dann bleiben wir sperrig", kündigt das Kollektiv an.

Auch die nächsten Generationen sollen sich im Pudel austoben

Über einen Abriss des Gebäudes wegen der Brandschäden oder einen Umzug macht sich das Kollektiv keine Gedanken. Der Golden Pudel Club sei zusammen mit Park Fiction ein besonderer Ort, der erkämpft wurde. "Wir gehören hierher. Ich hoffe, dass sich auch die nächsten Generationen im Pudel austoben können", sagt Knothe. "Wir wollen hier bleiben und den typischen Pudel-Charme bewahren. Es soll möglichst genauso werden, wie vor dem Brand. Dafür kämpfen wir mit vereinten Kräften", verspricht sie.

Der Golden Pudel Club - eine Hamburger Institution

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.02.2016 | 12:00 Uhr