Stand: 01.03.2016 23:25 Uhr

City-Hof: Gegenwind für Abriss-Plan

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de
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Die Passage im Hamburger City-Hof bietet seit Jahren ein trostloses Bild.

Was wird aus den denkmalgeschützten City-Hochhäusern am Hamburger Hauptbahnhof? Eigentlich will der Senat das Grundstück in bester Innenstadtlage für 35,2 Millionen Euro an einen Investor verkaufen, der das Ensemble aus den 50er-Jahren abreißen lassen will. Aber dieser Plan kommt bei Architektur-Experten und Stadtplanern nicht gut an. Zumindest nicht bei den sechs Sachverständigen, die am Dienstagabend auf Einladung der Bürgerschaftsfraktionen dem Stadtentwicklungsausschuss Rede und Antwort standen. Auch wenn die Experten sich nicht einig sind, wie bedeutend der City-Hof für die Architekturgeschichte der Stadt ist, haben sich doch alle für einen neuen Investoren-Wettbewerb ausgesprochen. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) und Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter verfolgten die Anhörung, die wegen des großen Interesses ausnahmsweise im Haus der Patriotischen Gesellschaft stattfand. Die Bürgerschaft soll - so will es der rot-grüne Senat - am 31. März den umstrittenen Verkauf absegnen.

"Eine Sanierung ist wirtschaftlich zumutbar"

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So könnte der City-Hof nach der Sanierung aussehen - wenn es nach den Plänen des Architekten Volkwin Marg ginge.

Der Hamburger Architekt Volkwin Marg warf dem Senat vor, dass der geplante Verkauf im Widerspruch zum Denkmalschutzgesetz stehe. Schließlich habe der abgeschlossene Investoren-Wettbewerb die Annahme, dass eine Sanierung der City-Hochhäuser wirtschaftlich unzumutbar sei, "absolut widerlegt". Und nur, wenn ein Erhalt wirtschaftlich nicht zumutbar ist, dürfe laut Gesetz ein denkmalgeschütztes Gebäude abgerissen werden. Marg - Gründungspartner des weltweit renommierten Architektenbüro gmp - hatte für einen Projektentwickler einen Sanierungsentwurf für den City-Hof ausgearbeitet. Dieses Konzept - das von allen eingereichten Geboten auf die höchste Punktzahl kam - schloss die Stadt kurz vor Ende des Verfahrens aus formalrechtlichen Gründen aus. Daraufhin erhielt im November 2015 der zweitplazierte Investor den Zuschlag, der einen Neubau plant. Marg kritisiert, dass der Senat in seiner Vorlage für die Bürgerschaft den Eindruck der "totalen Alternativlosigkeit" erwecke. Ein Erhalt des City-Hofs sei durchaus möglich. Es stimme nicht, dass die Hochhäuser baufällig seien.

Der Sanierungsplan von Marg sieht in den umgebauten Hochhäusern unter anderem 310 Wohnungen und ein Hotel vor. Der Projektentwickler hatte nach eigenen Angaben einen Kaufpreis in Höhe von knapp 32 Millionen Euro geboten.

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Das Problem Welterbe-Titel

Besondere Brisanz hat der geplante Abriss, weil der City-Hof in direkter Nachbarschaft zum Kontorhausviertel mit dem Chile-Haus steht, das seit Sommer 2015 in der Weltererbe-Liste der UNESCO geführt wird. "Nicht einmal ein Jahr nach der Aufnahme in die Welterbe-Liste macht Hamburg nun Schlagzeilen mit dem geplanten Abriss eines Denkmals in der Pufferzone", sagte der Sachverständige Berthold Burckhardt vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (kurz: ICOMOS). Der Fall werde auch im Ausland mit Sorge betrachtet. Burckhardt beklagte, dass die Stadt bei der Ausschreibung des Investoren-Wettbewerbs den ICOMOS nicht eingebunden habe. "Es geht darum, miteinander zu sprechen, und zwar nicht erst, wenn alle Pläne auf dem Tisch liegen." Die Organisation beteiligt sich als Berater und Gutachter an der Arbeit des Welterbe-Komitees.

"Städtebaulicher Störfaktor"

So freundlich hat der City-Hof kurz vor der Fertigstellung im Jahr 1958 ausgesehen - die heutige mausgraue Fassade wurde Ende der 70er-Jahre ergänzt.

Der Kunsthistoriker Hermann Hipp von der Universität Hamburg schlug in der Anhörung ganz andere Töne an. Er hält die City-Hochhäuser für einen "städtebaulichen Störfaktor", der zu Unrecht als Kulturdenkmal geschützt werde. "Die City-Hochhäuser sind langweilig und schlecht gedacht", sagte Hipp. Das Gebäude-Ensemble sei deshalb auch jahrzehntelang in keinem Architekturführer über die Hansestadt aufgetaucht. Hipp plädierte dafür, den Denkmalschutz aufzuheben, um dann "volle Freiheit" zu haben bei den Überlegungen, wie das Quartier am Klosterwall und das benachbarte Kontorhausviertel aufgewertet werden könnten. Denkbar sei ein "Um- und Weiterbau des City-Hofs". Der Kunsthistoriker sprach sich für ein neues Bieter-Verfahren aus. An den Senat gewandt, sagte Hipp: "Bitte nehmen Sie nicht den sagenhaft langweiligen Sieger-Entwurf, der jetzt auf dem Tisch liegt!"

Ein "aufgefrischtes Verfahren" als Lösung?

Nur ein Sachverständiger konnte sich halbwegs mit dem siegreichen Entwurf des Hamburger Immobilien- und Bauunternehmen Aug. Prien anfreunden: Günter Wilkens vom Architektenbüro APB hält die Neubau-Pläne für sinnvoll, wenn der vorgesehenene Architekten-Wettbewerb eine ansprechende Umsetzung ergibt. Auch Wilkens bezweifelt, dass der City-Hof ein denkmalwürdiger Bau ist. Zudem stehe der Baubestand einer zeitgemäßen Nutzung im Wege. Aber auch Wilkens sieht in einem neuen, "aufgefrischten" Verfahren die Chance, die bestehenden Fronten aufzulösen.

Büros, Wohnungen und eine Markthalle im Neubau

Falls die Bürgerschaft dem Verkauf an das Bauunternehmen Aug. Prien zustimmt, sollen die Verträge bald darauf unterzeichnet werden. Eine Abriss-Genehmigung wäre damit aber noch nicht erteilt. Diese muss der Investor noch bei der zuständigen Behörde beantragen. Aber der Senat hatte schon bei der Ausschreibung signalisiert, dass mit der Abriss-Genehmigung zu rechnen ist. In dem geplanten Neubau sind Büros, ein Hotel und zu 30 Prozent der Fläche Wohnungen vorgesehen. Eine Martkhalle, einige Galerieräume und eine Kita für 60 bis 80 Kinder sollen das Quartier beleben. Als Hauptmieter für den Neubau ist offenbar der Bauer-Verlag vorgesehen.

Abriss frühestens 2018

Noch ist das Bezirksamt Hamburg-Mitte Hauptmieter in den Hochhäusern. Der Auszug ist nach aktuellen Planungen für Ende 2017 geplant. Dann könnte der Abriss erfolgen. Das Unternehmen Aug. Prien rechnet mit einer Bauzeit von rund drei Jahren. Was auf dem Gelände des City-Hofs gebaut werden soll, könnte - im Fall einer endgültigen Abriss-Entscheidung - Mitte kommenden Jahres durch einen städtebaulichen Wettbewerb geklärt werden.

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