Stand: 02.03.2014 16:00 Uhr

Beiersdorf: Erst Apotheke, nun Kosmetik-Riese

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Die Nivea-Creme von Beiersdorf ist weltberühmt.

Nivea, Hansaplast, Tesa - die Namen stehen für sich und beschreiben die Erfolgsgeschichte der Beiersdorf AG. Die weiße Creme aus der blauen Dose und das hautfarbene Wundpflaster erfreuen sich weltweiter Bekanntheit. Seit Ende des 19. Jahrhunderts produziert das Hamburger Unternehmen medizinische Versorgungsartikel, technische Klebebänder und seit 1909 die ersten kosmetischen Produkte. Um vor allem für Investoren klares Profil zu zeigen, ist die tesa SE seit 2001 eigenständig. Der Name Beiersdorf steht damit in erster Linie für Markenartikel der Haut- und Schönheitspflege.

Zur Hälfte in Tchibo-Besitz

Der Erfolg des Hamburger Kosmetik-Riesen weckte auch bei der Konkurrenz Interesse: Unternehmen wie L'Oréal und Procter & Gamble warfen ein Auge auf den Hamburger Konzern. Doch als sich die Münchener Allianz 2003 von ihrem Beiersdorf-Anteil trennen wollte, fand sich stattdessen eine Hamburger Lösung: Die Tchibo-Holding maxingvest hält mittlerweile die Mehrheit der Beiersdorf-Anteile.

Vom Kleinlabor zum Pionier der Kosmetikbranche

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So sah das Beiersdorf-Labor im Jahr 1914 aus.

Eine neue Art des Verbandmulls stand am Anfang der Firmengeschichte. Der brandenburgische Apotheker Paul C. Beiersdorf entwickelte die "Guttapercha-Pflastermulle" Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Altonaer Labor. Die sogenannte Guttaplaste war elastisch, verstärkte die Wirkung der Arzneistoffe und fand reißenden Absatz unter Medizinern. Das Datum der Patenturkunde, der 28. März 1882, gilt als Gründungstag des Unternehmens.

Im gleichen Jahr verlegte Beiersdorfs Nachfolger Oscar Troplowitz die Produktion ins benachbarte Hamburg-Eimsbüttel, wo sich noch heute die Konzernzentrale in der nach ihm benannten Straße befindet. Er weitete das Konzept auf verbraucherorientierte Forschung und erste Markenprodukte einer im Entstehen begriffenen Kosmetikbranche aus. Grundlage des Firmenerfolges war 1911 die Einführung einer neuartigen Hautcreme unter Verwendung des selbstentwickelten Emulgators Eucerit. Ihr Name: Nivea - abgeleitet vom lateinischen Wort "niveus" für "schneeweiß". Außerdem entwickelte das Unternehmen in den folgenden Jahren Leukoplast und Hansaplast sowie parallel dazu technische Klebebänder wie das Lassoband und den Tesafilm. 1922 wurde aus der P. Beiersdorf & Co. GmbH eine Aktiengesellschaft.

Die "Nivea-Creme-Juden"

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sah sich der Betrieb einer Hetz- und Boykottkampagne ausgesetzt. Der "Stürmer" titelte mit "Die Nivea-Creme-Juden", und aus dem Vorstand mussten in einer ersten Reaktion drei jüdische Mitglieder ausscheiden - laut Firmenchronik mit deren Einverständnis. Auch Teile der Konkurrenz nutzten die Chance, sich eines erfolgreichen Mitbewerbers zu entledigen, und griffen auf die NS-Propaganda zurück. So tat sich ein Freudenstädter Kosmetikbetrieb mit der Parole "Wer Nivea-Artikel kauft, unterstützt eine Judenfirma" hervor. Beiersdorf überlebte, "mogelte sich so durch", wie es die Firma heute formuliert.